Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 568 (sequence 4)
- Language
- German
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568 Im deutschen Reich. Menschen haben. Wäre es möglich, daß im deutschen Volke dieser Gedanke Raum gewänne für die gegenseitige Beurteilung, so wäre damit die erste Vorbedingung geschaffen für eine vollständige Einigkeit/' — Zu diesen programmatischen Sätzen lieferte am 3. September das Stöcker-Organ „Das Reich" den Kommentar: „Es tut gut, diese menschliche Anerkennung des Werkes, das die nervige Faust vor den Hochöfen und unter Tage im Stollen verrichtet! Auch dies sind unsterbliche Seelen und nicht „Hände", die man ausnutzen dürfte, wenn man die Macht hat! Hier liegt die Lebensaufgabe unseres Kaisers: die innere Einigung Deutschlands. Und keinen andern Weg gibt es, als die Achtung des Menschen auch im Arbeiter. Allerdings weisen wir auch mit allem Freimut darauf hin: es genügt nicht, wenn der Monarch sich zur Kaiserlichen Botschaft von 1881 bekennt. Die Regierung muß auch nach mehr denn 26 Jahren.die Botschaft aussühren und endlich die Arbeiiskammern, die die Botschaft andeutend nennt, geben." Von jüdischer Seite erübrigt essich, mit gleichem Freimut die Kaiserrede aus ihre politische Bedeutung hin einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, weil die ausdrücklich betonte „Religion im praktischen, nicht im kirchlich dogmatischen Sinne", sowie die gemütvolle Betonung des allumfassenden reinen Menschentums, weit geeigneter ist, uns, die wir uns zu einer von Dogmen nahezu freien Religion bekennen, sympathisch zu berühren als die Orthodoxen der beiden christlichen Bekenntnisse, die auf kein Jota ihrer Dogmen verzichten wollen. Daß in der Programmrede ausschließlich dem Christentum eine politische Einigungskrast zugesprochen wurde, brauchen wir nicht tragisch zu nehmen; denn hier glaubte wohl der oberste protestantische Bischof dem katholischen Bischof von Münster gegenüber sein Christentum betonen zu müssen, nachdem er vorher von „allen menschlichen Trägern einer Seele" und von einer „nicht kirchlich-dogmatischen Religion" gesprochen hatte. Was uns not tut, das sind nicht Worte, sondern Taten. Mit Worten werden weder engherzige Ansichten beseitigt, noch Gesinnungs- und Denkweise des Volkes veredelt. Die Dinge liegen so, daß der erste und allein verantwortliche Ratgeber der Krone sich nicht länger mit diplomatischen Redewendungen begnügen, nicht nur durch eine private Aeußerung s seine Vorurteilslosigkeit darlegen kann, sondern endlich frei und