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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 567

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-10-01
Page
567 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 567 religio“ gipfelte, ist sonnenklar. Die Weltgeschichte bietet doch dem, der in der Vergangenheit den Spiegel der Zukunft erkennt, hinreichende Beweise dafür, daß die an und für sich gewiß der treuesten Pflege werten religiösen Volksempfindungen, wegen ihrer Neigung, die Leidenschaften zu entflammen, für die politische Arbeit der Staatsleitung besser ganz aus dem Spiele bleiben. Die Politik ist ein weltliches Geschäft; dort, wo Staat und Kirche vollständig verschmolzen sind, leiden beide Faktoren empfindlichen Schaden. Der Staat kann zum Büttel der Kirche erniedrigt werden, die Religion,welcheGottesfurcht, Sittlichkeit und Menschenliebe umfassen soll, kann zum grausamen Gewissenszwang herabsinken. Als selbstständige Faktoren stehen beide groß da; so ist die katholische Kirche, seitdem die weltliche Herrschaft des Papstes ein Ende genommen hat, nicht schwächer, sondern weit mächtiger geworden und übt setzt auf ihre Anhänger einen Einfluß aus, den ihr eine staatliche bevormundende Unterstützung niemals hätte verschaffen können. Sollte tatsächlich der Kaiser dem Bischof von Münster nach dem Hinweis aus die Zunahme der politisch widerstrebenden Elemente in Westfalen geantwortet haben: „Da muß die Religion helfen!" so würde auch darin eine Anerkennung des mächtigen Einflusses der katholischen Kirche auf die Gemüter ihrer Bekenner zu erblicken sein. Daß es aber noch ein anderes und vielleicht weit wohlfeileres Mittel gibt, jener beklagten Zunahme abzuhelfen, hat ein gewiß dem kirchlichen Einfluß nicht abholder Politiker, Adolf Stöcker, unmittelbar nach der bei dem Festmahl der Provinz Westfalen im Landesmuseum zu Münster gehaltenen Kaiserredei bekundet. In dieser ist gesagt worden: „Ich glaube, daß zu einer Einigung aller unserer Mitbürger, aller unserer Stände nur ein Mittel möglich ist, das ist die Religion. Freilich nicht in streng kirchlich dogmatischem Sinne verstanden, sondern im für das Leben praktischeren Sinne." Im weiteren Verlaufe der kaiserlichen Meinungsäußerung heißt es dann: „Wenn mich der Zorn übermannen wollte, habe ich mir gesagt: „Alle sind Menschen wie Du, und obgleich sie Dir wehe tun; sie sind Träger einer Seele aus den lichten Höhen, zu denen wir alle einst wieder zurückkehren wollen, und durch ihre Seele haben sie ein Stück ihres Schöpfers in sich." Wer so denkt, der wird auch immer milde Beurteilung für seine Mit-

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