Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 564 (sequence 13)
- Language
- German
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504 Im deutschen Reich. gestorben ist. Er beschwört den Dichter bei ihrer alten Freundschaft, dafür Sorge zu tragen, daß sein Sohn sich der Wissenschaft Zuwende. Und als Immanuel ihm versichert, daß sein Sohn ein Jünger der Wissenschaft sei, da erheitert sich sein Antlitz, und er schließt sich den beiden Wanderern an. Da ertönt plötzlich durch die Weiten des Paradieses der Ruf: „Immanuel ist da, nun isUs Zeit zu Scherz und Lachen!" Und nun eilen ihm die Verfasser der biblischen Bücher entgegen, um ihn wegen seiner Kommentare mit Lob und Schmeichelei zu überhäufen. David ruft sogar die Kommentatoren herbei und läßt sie den 28. Psalm erklären, um ihnen nachher zu bemerken, daß Immanuel allein das Rechte getroffen habe. Mit ganz besonderer Ehre empfängt ihn auch König Selomoh und sogar Moseh, zu dessen Zelt in der höchsten Region des Edens ihn die anderen Verfasser geleiten. Sodann erblickt Immanuel die zehn Prachtgezelte der Märtyrer zur Zeit Hadrians, ferner fünf kostbare Zelte für noch lebende hochverdiente Zeitgenossen, unter ihnen die Gesandten der römischen Gemeinde an den Papst im Jahre 1321 und zum Schluß die für fromme und wohltätige Männer in Orvieto bestimmten Prachtgemächer. Die Wanderung ist beendet. Daniel preist den Dichter glücklich, dem es vergönnt war, dies alles zu schauen, und ermahnt ihn, was er gesehen, zum ewigen Andenken aufzuzeichnen. Der Führer entschwindet, und der Dichter erwacht aus feinem Schlafe, um unter Lobpreisungen Gottes, dem Befehle Daniels gemäß, feine Erlebnisse in Hölle und Paradies der Nachwelt zu überliefern. Die Dichtung kann und will sich nicht mit Dantes unsterblichem Meisterwerk messen, aber „sie beschließt das bunte Lebensspiel der vorangegangenen Klänge und Bilder mit einem Finale von erhabenen Grundtönen, welchem indes wieder an entscheidenden Stellen und gerade im Lande der Seligen der Mutwille des Humors den Ernst der Didaktik abzustreifen sucht; auch in der überirdischen Welt behauptet der Schalk sein Grundrecht." Und was die Gesinnung anbetrifft, „so darf der Jude Immanuel vor dem Christen Dante wahrlich nicht beschämt zurücktreten." Die Führung des Dichters durch Daniel ist offenbar der Führung durch Virgil bei Dante nachgebildet, wobei jedoch als wesentlicher Unterschied zu beachten ist, daß Virgil den Dichter nur durch die Hölle geleitet, die Führung durch das Paradies aber Beatrice übernimmt, während hier Daniel seinen Schützling