Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 565 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau. 565 auch in den Gefilden der Seligen begleitet. Wahrscheinlich meint der Dichter unter Daniel den Helden des gleichnamigen biblischen Buches, dessen Visionen das ganze Mittelalter hindurch nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Christen Gegenstand des Studiums und mystischer Erklärung gewesen sind. Ueberdies ist zu beachten, daß das Buch Daniel in seinem Schlußkapitel deutliche Hinweise auf die Auferstehung enthält wie kein anderes biblisches Buch. Daniel, der Nebukadnezars Traum und seine Deutung, der die Flammenschrift an der Wand zu künden verstand, dem kein Geheimnis verborgen blieb, war der geeignete Führer durch Holle und Paradies. Vielleicht hat Jmm.anuel jedoch in diesem Daniel gleichzeitig Dante ein Denkmal setzen wollen. In der Tat war Dante sein Führer durch Hölle und Paradies, für ihn gleichsam die Verkörperung der prophetischen Kraft des biblischen Daniel." -2K Umschau. fn einem Glückwunschschreiben des Reichskanzlers, das . . dem Dichter Adolf Wilbrandt am 24. August zuging, rühmte Fürst Bülow dem seinen 70. Geburtstag feiernden Schriftsteller nach, stets danach gestrebt zu haben, ein Volkserzieher im Sinne des Goethe-Wortes zu sein: »Der Dichter wirkt patriotisch, wenn er lebenslänglich bemüht ist, schädliche Vorurteile zu bekämpfen, engherzige Ansichten zu beseitigen, den Geist seines Volkes aufzuklären und dessen Gesinnungs- und Denkweise zu veredeln." Unwillkürlich wird man dabei an den weit bekannteren Ausspruch Goethes erinnert, daß man, wenn man solche Worte hört, doch meine, »es müsse sich dabei auch etwas denken lassen." Was der Reichskanzler mit Recht als Ausgabe des Dichters bezeichnete, das wird er hoffentlich auch als eine Ausgabe des ersten Ratgebers der Krone betrachten. Daß es selbst für einen an leitender Stelle stehenden Staatsmann nicht leicht ist, schädliche Vorurteile zu bekämpfen und engherzige Ansichten zu beseitigen, ist zweifellos. In den Palästen pflegten die im rosigen