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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 563

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
Date
1907-10-01
Page
563 (sequence 12)
Language
German
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Ern jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes. 568 Entsetzt ob all der grausigen Qualen, die er gesehen, fragt der Dichter, dem wiederum seine ganze Sündhaftigkeit zum Bewußtsein kommt, seinen Führer nach seinem eigenen Schicksal. Aber Daniel beruhigt ihn. Wohl lasteten zahlreiche Sünden auf seinem Gewissen, aber auch viele Tugenden und Vorzüge habe er bewiesen und ganz besondere Verdienste sich durch seine Kommentare biblischer Bücher erworben, deren Verfasser, namentlich der König Selomoh, ihm eifrige Fürsprecher seien. So sei für ihn ein ehrenvoller Platz iw Paradiese bestimmt. Diese Unterredung bildet die Ueberleitung zur Wanderung durch das Paradies, in welches eine von der Erde bis zum Himmel ragende Leiter führt. In jener lichten Höhe gibt es keinen Müden, keinen Strauchelnden; ewige Freude und Wonne herrscht dort, wo nur die untadelhaften Seelen weilen. In drei Abstufungen sind dort die seligen Geister geordnet. Auf der untersten begegnet ihm eine lange Reihe biblischer Personen sowie die Mischnah- und Talmudlehrer, dazwischen gelegentlich auch Spätere, wie Jehuda Ha-Lewi und Harizi. Sodann folgen des Dichters römische Zeitgenossen Selomoh Jedidja und sein Sohn Selomoh, der greise Richter Jehuda, Her fromme Sabthai b. Mathithja und sein Schwiegersohn Joab, Immanuels Schwiegervater Semuel, seine Mutter Justa und seine Schwiegermutter Brunetta, sein Lehrer Benjamin, Zidkija Anaw und Jizchak samt seinem Sohne Benjamin. Dann MenahemBozeceo und sein Sohn Sabthai, ferner Sabthai der Fromme, Leo und sein Bruder Menahem, der Vorsteher Jehuda sowie das Brüderpaar Abraham und Mesullaw, denen wiederum biblische Personen und andere Fromme aus vergangenen Zeiten folgen. Dann erblickt er Männer, geschmückt und geehrt, die er nicht kennt, und auf seine Frage erwidert ihm Daniel: das sind die Frommen anderer (nichtjüdischer) Völker, die nach dem Höchsten gestrebt haben; eine bemerkenswerte Toleranz, welche die jüdische Dichtung vor dem Danteschen Werke voraus hat. Auf der zweiten Stufe des Paradieses sieht Immanuel den Thronsessel für seinen Vetter Jehuda Romano und für seinen Verwandten Daniel, der ihm einst beigestanden, und dessen Lob er und sein Führer begeistert singen. Dann kommen die bußfertigen Sünder, die willig die Strafe für ihre Vergehungen auf sich genommen haben, unter ihnen ein Mann in Trauerkleidung, der im Leben die Wissenschaft vernachlässigt hat und auf einer Handelsreise

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