Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 561 (sequence 10)
- Language
- German
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Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes. 561 kapitel, das den Namen „Hölle und Paradies"' führt. Schon äußerlich unterscheidet es sich von den anderen Teilen des Werkes. Es besteht völlig aus Reimprosa; der Mäeen, dessen Gestalt in den früheren Kapiteln immer miederkehrt, wird hier nicht genannt, Immanuel unternimmt die Wanderung durch die Hölle und Paradies ohne ihn. Das Kapitel steht völlig außer Zusammenhang mit allem Vorhergehenden, und ist wahrscheinlich erst später dem Werke als Anhang angefügt worden. Es bedarf nichterst des Hinweises, daß Dantes Göttliche Komödie das unerreichte Vorbild für diese Dichtung Immanuels ist; selbst in geringfügigen Kleinigkeiten zeigt sich die Nachahmung. Immanuel hatte, so erzählt er in der Einleitung, das sechzigste Jahr bereits überschritten, als der plötzliche Tod eines hervorragenden jüngeren Mannes ihn in Schrecken setzte. Sein Leben war sündhaft gewesen: was für ein Los würde nach dem Tode seiner harren? Von Angst und Zweifeln gepeinigt, ruft er nach dem weisen Daniel. Da erbebt die Erde, ein Sturmwind braust dahin, ein schweres Unwetter erhebt sich, und schließlich erscheint dem Dichter gegenüber im linden säuselnden Winde ein feuriger Glanz, aus dem ein Greis, einer göttlichen Erscheinung gleich, hervortritt. Immanuel sinkt bestürzt nieder; doch die Erscheinung spricht ihm Mut zu; all sein Kummer und alle Sorge soll beendet sein. Und auf die Frage nach seinem Namen gibt sich der Greis als Daniel zu erkennen, der auf des 5)i<f)ie):3 Ruf erschienen sei, ihm die Wunder der unter- und überirdischen Welt zu zeigen. Auf die Bitte des Dichters, der sich eng an seinen Führer schmiegt, beginnt sodann die Wanderung durch die Unterwelt. Durch das grause Leichental gelangen sie an eine schmale Brücke, die über einen reißenden Strom führt. Am jenseitigen Ufer ist die Pforte der Verwerfung, vor welcher ein flammendes Schwert gleichsam Wache hält. In ungezählten Scharen werden die Seelen durch diese Pforte geschleppt; stöhnend und seufzend über ihr Los, ihre Sünden bereuend, warnen sie einen jeden vor der Sünde ünd rufen aus: Wer eintreten will, dem steht der Eintritt offen, doch niemand darf diesen Ort verlassen. So gelangen sie in die Hölle, in welcher die Sünder je nach dem Grade ihrer Schuld furchtbare Strafen zu erdulden haben. Die einen werden durch unerträgliche Hitze, die anderen durch furcht-