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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 560

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
Date
1907-10-01
Page
560 (sequence 9)
Language
German
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560 Zm deutschen Reich. nicht fehlt, so ist es auch im höchsten Grade wahrscheinlich, daß ihm selbst diese Leichtfertigkeit den Frauen gegenüber nicht eigen war. Das beste Zeugnis hierfür ist seine eigene warme Schilderung seines ehelichen Glückes. In der Form ist er Meister, wenngleich er selbst nur für die Reimprosa diesen Vorrang für sich in Anspruch nimmt und inbezug auf Vollkommenheit in metrischer Form seinem jüngeren Zeitgenossen Jehuda Siziliano die Palme reicht. Aber auch in der Form war Immanuel von anderen Vorbildern abhängig. In der Metrik schloß er sich der spanischen Schule an, deren Versmaße in Italien erst ganz kurze Zeit vor Immanuel Eingang gesunden zu haben scheinen; die meisten seiner längeren Gedichte sind Ghaselen. Aber die Bekanntschaft mit der Poesie christlicher Dichter veranlaßte ihn zu dem wohlgelungenen Versuche, auch deren Versmaße und Strophenbau in die hebräische Poesie einzusühren. So wurde er der Schöpfer des Sonetts in der hebräischen Poesie, das erst kurz zuvor in die italienische Poesie eingesührt worden war. Eines seiner Sonette, das zugleich geeignet ist, seinen frischen Ton zu charakterisieren, mag hier einen Platz finden: Zu mancher Stunde möchte ich erfahren. Was mir beschieben: ob im Paradiese Ein sel'ges Leben ich dereinst genieße, Ob ich zur Hölle künftig müsse fahren. Zur Hölle, rvo die schönsten Mädchenscharen Mich hold umgaukeln in des Traumes Süße! Wenn ich im Himmel Herrn und Damen grüße. Find' ich sie Zahnlos und mit grauen Haaren. Drum fort das Paradies, das von Matronen Und Greisen wimmelt, alt und streng und häßlich! Ist das Genuß, in solchem Kreis zu wohnen? Nein lieber in die Hölle! Nichts ist gräßlich, Wo Lust und Liebe jedem Menschen lohnen, Wo selbst die Heiterkeit ist unermeßlich. So plaudert der Dichter in 27 Kapiteln seines Divans über alles Mögliche. Ernstes und Heiteres ist durcheinander gemengt, allerlei metrische Dichtungen, Gebete, Klagelieder, Lobpreisungen verdienter Männer; Briefe in Reimprosa sind eingestreut. — Einen ganz anderen Charakter trägt, das Schluß-

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