Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 559 (sequence 8)
- Language
- German
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Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes. 559 unter fremdem Namen, und als er sich bei seinem Mäcen darüber beklagte, gab ihm dieser den Rat, seine Dichtungen zu sammeln und sie nach dem Beispiele Jehuda al-Harizis in Makamenform zu verweben. So entstand sein Diwan. Er Verzichtet auf das von Hariz! den Arabern entlehnte Verfahren, einen anderen zum Helden der in reiner, fließender Reimprosa geschriebenen, mit zahllosen Anspielungen auf biblische und talmudische Redewendungen, geistreichen Wortspielen u. dgl. gewürzten Erzählungen zu machen. Er selbst und sein Verhältnis zu dem „Fürsten^ steht im Mittelpunkt der Dichtung, und alle Abenteuer, welche nun einmal der Held in dieser Gattung von Dichtungen erlebt haben muß, dichtet er sich selbst an. Natürlich wird dadurch die Feststellung seiner Lebensschicksale ungemein erschwert. So ist es z. B. wahrscheinlich erdichtet, wenn er von der gemeinsam mit dem Mäcen in Vienna verlebten Jugend spricht, wenn er in den Schlußworten des 17. Kapitels berichtet, daß er wegen des Todes der Schwester des Fürsten eine Zeitlang von diesem getrennt an seinem früheren Wohnorte lebte, und wenn er gar erzählt, daß diese Verbannung etwa 10 Jahre gedauert habe. Seine Dichtung ist voll von köstlichen Einfällen, heiteren Scherzen und beißender Satire: überhaupt ist die Satire sein eigentliches Gebiet. Nach der Art der provenglischen und italienischen christlichen Dichter bildet heiterer Lebensgenuß und vor allem Liebe und Frauengunst den Inhalt des größten Teiles seiner Dichtungen. Geistreich und witzig, spottsüchtig und bisweilen frivol behandelt er dieses Thema; und da er selbst der Held aller von ihm erzählten Abenteuer ist, mußte er schon von seinen Zeitgenossen herben Tadel erfahren. Sie nannten ihn den „übermütigen Spötter^, uw so wehr als er sich in seiner heiteren und geistreichen Art bisweilen auch über religiöse Dinge leichtfertig aussprach. Schlimmer erging es ihm bei den Späteren. Moseh Rieti hielt ihn nicht einmal der Erwähnung in seiner dem Andenken der großen Männer des Judentums gewidmeten Dichtung für würdig. Josef Karo verbot sogar die Lektüre seiner Dichtungen, Immanuel Frances tadelt seine „zuchtlosen Lieder^ und warnt alle Dichter der Liebe vor ihrer Nachahmung. Allein wie seine Kommentare und die schönen, in seinem Diwan enthaltenen Gebete von echter Frömmigkeit Zeugen, wie es sogar gn Aufforderungen zu Buße und Askese in seinen Dichtungen