Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 557 (sequence 6)
- Language
- German
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Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes. 557 dessen strahlender Ruhm sich verbreitet über Land und Meer/' Die Freundschaft Immanuels mit Dante fand einen schönen Ausdruck in dem Sonettenwechsel zwischen Bosone da Gubbio und dem Juden Manoello, wie er italienisch genannt wurde, der damals selbst durch den Tod seiner Gattin einen schweren Verlust erlitten hatte. Bosone schreibt ihm: Zwei Lichtgestalten sind der Welt entrissen In Tugend und in Schönheit hoch und hehr! Der tiefe Weise — ach, der ist nicht mehr — Brich aus in Klagen, daß du ihn mußt wissen! Beklagt dein Weib, das deine Seele liebte, Die du gerühmt so freudig und so gern! Ein jeder klagt, ob nahe oder fern. Mir bricht das Herz vor Weh, das tiefbetrübte! Ja du darfst wissen, Jude Manoel, Ob solchen Wehs, das du an dir erfahren. Und ob der Welt, gestraft für Schuld und Fehl: Dies war das traurigste von allen Jahren. Mein Trost ist, daß des edlen Dante Seel' Du wirft zur Rechten Gottes einst gewahren. Und Immanuel antwortet: Ich weck' aus meines Herzens tiefsten Tiefen Den reichen Bronnen meiner Tränenflui Und würde lodern von des Schmerzes Glut Wenn nicht vom Auge Tränenbäche triefen. Wenn diese milden Wasser nicht mehr liefen. Es löschte nichts dies leidentflammte Blut. Jetzt bin ich fest und standhaft, und es ruht Das Heer der Seufzer. Daß sie ewig schliefen! Es mögen beide weinen, Jud und Christ, Und beid' auf einen Trauerschemel sitzen. Der Schmerz ist sündhaft, der mein Herz zerfrißt. Denn seit ich sah, daß keine Bitten schützen. Wenn uns ein böses Jahr beschieden ist. Seitdem erbebten meines Glaubens Stützen. Zwei Sonette auf Manoellos Tod sollen nach den Handschriften einem Briefwechsel Zwischen Bosone und Cino da Pistoja entnommen sein. Und wenngleich die Autorschaft dem letzteren