Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 556 (sequence 5)
- Language
- German
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556 Im deutschen Reia,. und Spanien brachte es mit sich, daß auch diese Länder, die seit Jahrhunderten die Heimstätten jüdischer Gelehrsamkeit und Dichtkunst waren, einen tiefgehenden Einfluß auf sie ausübten. So vereinigten sich jüdischer und italienischer Geist, jüdische und italienische Bildung und Poesie in den italienischen Juden dieses Zeitalters, und die harmonische Vereinigung beider fand gleichsam ihre Verkörperung in Immanuel. Und als müßte diese Vereinigung auch äußerlich ihren Ausdruck finden, sehen wir persönliche, vielleicht freundschaftliche Beziehungen des größten jüdischen Dichters des damaligen Italiens, Immanuel, Mit dem unsterblichen Florentiner Dante Allighieri. Es ist möglich, daß die beiden Männer einander bereits im Jubiläumsjahre 1300, als Dante in Rom war, kennen lernten und später nur ihre Bekanntschaft erneuerten. Im höchsten Grade wahrscheinlich ist es, daß sie einander am Hofe des Can Grande von Verona näher getreten sind. Dante hielt sich dort auf, als der Scaliger auf der Höhe seiner Macht stand. Sein Hof, an dem ein buntes heiteres Leben herrschte, war der Sammelpunkt für Gelehrte, Künstler und Dichter. Hier finden wir auch Immanuel, der sicherlich nicht, wie es von Dante berichtet wird, seinem Gönner mit saurer Miene wegen dieses leichten, lockeren Treibens Vorwürfe gemacht hat. Im Gegenteil; in einem dem Can Grande gewidmeten Gedichte, das in seinen kurzen Versen einen übersprudelnden, neckischen Humor zum Ausdruck bringt, schildert er das bunte Treiben am Hofe des Fürsten. Als ein vielgereister Händler, so fingiert der Dichter, kommt er nach langer Wanderung durch den Orient, wo er auch den Sultan gesehen hat, zum Can Grande, der in Verona die Krone trägt. Dort ist ein Rennen und Treiben von gewaffneten Haufen mit Fahnen; überall schöne Damen, Liebeswerben und Liebesspiel, hier die Edelleute aus aller Herren Länder, dort die Gelehrten, die heftig mit einander disputieren. Hier hört man Musik, dort sieht man Jäger mit ihrer Meute und ihren Falken. Römer und Fremde, Juden und Sarazenen kommen und gehen; in den Sälen herrscht Tanzlustbarkeit, dabei gibt es übermütige Späße und Neckereien, die zu Schlägereien und Kämpfen führen. Da sieht man allerlei Tiere und Leute in den verschiedensten Trachten usw. Und er schließt: „Unter die Seligen darf sich dieser Fürst Zählen,