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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 555

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
Date
1907-10-01
Page
555 (sequence 4)
Language
German
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Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes. 555 hüllt; ohne Immanuels Vorbemerkung würde es unmöglich sein, aus dem Briefe selbst die Veranlassung und den Gegenstand des Schreibens zu ersehen. Nach langem Umherirren fand er endlich vor 1328 in Fermo ein Asyl bei einem der angesehensten und reichsten Männer der Stadt, der es sich zur Aufgabe machte, durch seine großmütige Freigebigkeit dem gefeierten Dichter ein sorgenfreies Alter zu bereiten und ein frohes dichterisches Schaffen zu ermöglichen. Wie lange Immanuel sich noch der Großmut seines Mäcens erfreute, wissen wir nicht; sein Todesjahr ist unbekannt. Die literarischen Leistungen Immanuels zeigen wenig Originalität aber eine erstaunliche Vielseitigkeit. Er versteht auch das, was er anderen entlehnt, mit seinem eigenen Geiste zu erfüllen und ihm dadurch ein individuelles Gepräge zu verleihen. Immanuels Wissen war ein fast encyclopädisches. Aus allen Wiffensgebieten war er heimisch, so daß er den besten jüdischen und christlichen Gelehrten des damaligen Italiens ebenbürtig war. Seiner vielseitigen Bildung entsprach auch seine wissenschaftliche Tätigkeit, die sich aus das Gebiet der jüdischen Wiffenschast beschränkt. Bleibenden Wert haben aber Immanuels Dichtungen, die ihm die Bewunderung aller Zeiten sichern. In ihnen spiegelt sichdasganzeWesendieses außergewöhnlichen Mannes und dieses außergewöhnlichen Zeitalters wieder. Es war die erste, und was die Poesie betrifft, die schönste Blüteperiode der italienischen Renaiffance. Die Entwickelung der italienischen Sprache aus einem Volksdialekt zur Schriftsprache hatte kaum begonnen, und schon erklangen in dieser Sprache die unsterblichen Gesänge Dantes. Der gewaltige Kamps des großen Hohenstaufen mit dem Papsttum hatte alle Geister in Bewegung gesetzt, und die scholastische Wissenschaft feierte gerade in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ihre höchsten Triumphe. In der Poesie waren allerdings die Dichter vor Dante von ihren provenyalischen Vorbildern, die seit der Zeit der Anjous immer mehr maßgebend wurden, abhängig. Von den Provenyalen stammte die Form des Sonetts, das Fra Guittone von Arezzo in die italienische Poesie einführte. Die Juden, die an allen geistigen Bestrebungen ihrer Landsleute vollen Anteil nahmen, erfaßten eifrig die wissenschaftlichen und schöngeistigen Bestrebungen der Italiener, und der überaus lebhafte Verkehr mit ihren Glaubensgenossen in Südfrankreich

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