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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 554

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
Date
1907-10-01
Page
554 (sequence 3)
Language
German
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554 Im deutschen Reich. Unterricht bei den Lehrern der Verskunst; die Dichtungen der hervorragenden jüdischen und christlichen Dichter waren ihm bekannt. Von seinem übergroßen Elser für die Wissenschaft gibt seine launige Erzählung von einem Vorfälle in Perugia, der Beraubung der Bücherkiste des Buchhändlers Ahron, Kunde. Von seinen Lehrern nennt er nur Benjamin (b. Joab) und seinen Verwandten Daniel. Wahrscheinlich war er jedoch auch ein Schüler Zerajahs. Er war mit Glücksgütern reich gesegnet; vielleicht erwarb er sich durch ärztliche Praxis, vielleicht auch durch literarische Tätigkeit seinen Lebensunterhalt. Sein Haus stand allen Gebildeten offen. Er selbst nahm eine außerordentlich angesehene Stellung ein. Im Dienste der römischen Gemeinde scheint er als Vorsteher oder Geweindesekretär gewirkt zu haben, wenigstens wurde ihm die Abfassung besonders wichtiger Briefe übertragen; am Versöhnungstage pflegte er zu predigen; auch Lobreden auf Verstorbene und bei besonderen Veranlassungen auf Lebende fielen ihm zu. Noch um die Mitte des dritten Jahrzehnts des vierzehnten Jahrhunderts erfreute sich Immanuel Zisroni dieses Ansehens, wie sein um diese Zeit im Namen der römischen Gemeinde an R. Semuel in Arles gerichteter Brief beweist. Kurze Zeit daraus traf ihn aber ein schwerer Schlag. Die Ursache seines Unglücks scheint eine Bürgschaft für einen Freund gewesen zu sein, die ihn seines Vermögens beraubte und ihn veranlaßte, wohl um der Schande auszuweichen, seine Heimat zu verlassen. Indes müssen noch ganz besondere Umstände im Spiele gewesen sein. Alle seine Freunde zogen sich von ihm zurück, nur sein Verwandter Daniel stand ihm in dieser schweren Zeit bei. Immanuel scheut sich, die ganze Schwere seines Unglücks auszusprechen, das ihn ^gebeugt von der Armut und des Alters doppelter Bürde", zu unstätem Umherirren durch Italien zwingt. Jeder Hund bellt ihn an; das Schicksal, dessen er so oft gespottet, spottet nun sein; von allen verlassen, muß er gleich seinem großen Freunde Dante die Pein der Abhängigkeit von Fremden erfahren. Meist scheint er sich in Norditalien aufgehalten zu haben. Als er einst an einem Fußleiden in Ancona erkrankte, leistete er der dortigen^ Gemeinde einen wertvollen Dienst, indem er sich in einer Steuerangelegenheit für dieselbe bittend an die Vorsteher der römischen Gemeinde wandte. Das Schreiben selbst ist charakteristisch für den Briefstil der damaligen Zeit, der mehr verbirgt als er ent-

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