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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 553

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes
Date
1907-10-01
Page
553 (sequence 2)
Language
German
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Ein jüdischer Zeitgenosse und Freund Dantes. 553 vorigen Hefte dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikel sagte, daß er es „zu den besten und umsaffendsten Arbeiten über die Geschichte der Juden im Kirchenstaate aus israelitischer Feder" zähle, entnehmen wir mit Erlaubnis der Autoren folgende für jüdische Verehrer Dantes wiffenswerte Angaben: „Die anziehendste und liebenswürdigste Gestalt in der Geschichte der Literatur der römischen Juden des Trecento, der vielseitigste und geistig hervorragendste, wenngleich nicht derwiffenschaftlich bedeutendste unter den damaligen römischen Schriftstellern ist Immanuel b. Selomoh b. Jekuthiel aus der Familie Zifroni. Man kann auf ihn das Urteil anwendev, das Heine über Hartz! fällt, daß er ein Voltaireaner war schon 500 Jahre vor Voltaire. Er ist in Rom um das Jahr 1270 geboren. Seinen Vater Selomoh erwähnt er kaum; es ist daher höchst wahrscheinlich, daß er ihn sehr zeitig verloren hat. Dagegen preist er seine Mutter Justa und seine Schwiegermutter Brunetta als fromme Frauen. Sein Schwiegervater Semuel fiel als Opfer der Verfolgung von 1321. Seine Gattin, deren Namen er nicht nennt, preist er als eine schöne, kluge und züchtige Frau; er schreibt ihr einen Anteil an seinem Ruhme zu. Sein ältester Sohn Moseh starb früh; außer ihm scheint er nur noch einen Sohn gehabt zu haben. Von Jugend aus betrieb Immanuel mit vielem Eifer das Studium der Wissenschaften. Die Grundlage für seine Studien bildeten die Werke des Maimonides; später zeigte er große Belesenheit in den philosophischen Schriften der Griechen und Araber sowie der zeitgenössischen christlichen Scholastiker, die er wohl sämtlich in hebräischen Uebersetzungen kennen gelernt hat. In dieser Hinsicht verdankt er nach seiner eigenen Aussage namentlich seinem bedeutenden Vetter Jehuda Romano außerordentlich viel. Nächst der Philosophie betrieb er das Studium der talmudischen und nachtalmudischen halachischen Literatur; die kabbalistischen Schriften waren ihm bekannt; er befaßte sich mit Mathematik, Astronomie und Kalenderwesen, Medizin, hebräischer Grammatik und Bibelexegese. Seine außergewöhnliche Begabung und sein vorzügliches Gedächtnis ermöglichten es ihm, auf allen diesen Gebieten etwas Tüchtiges zu leisten, und in späteren Jahren rühmt er sich gern seiner bedeutenden Ueberlegenheit inbezug auf Kenntnis der Gelehrten und ihrer Bücher. Mit besonderem Eifer wandte er sich der Poesie zu. Er zeigte frühzeitig dichterische Begabung und nahm

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