Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein weißer Rabe im "Verein deutscher Studenten"
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 549 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein weißer Rabe iw „Verein deutscher Studenten". 549 eigenen Kraft zu wecken, das würdelose Sichselbstverleugnen der Deutschen zu bekämpfen; es gilt anderseits — die Gefahr ist zur Zeit nicht groß — auch ein zu hoch geschraubtes Rationalgesühl als gefährlich und schädlich zu verwerfen. Wenn einst aus unfern Reihen der Ruf erklang: Die Nation ist der Messias, so braucht man nur warnend aus das Geschick der vielgescholtenen Juden zu weisen, deren Staat an diesem Irrwahn zugrunde ging, braucht nur nach Frankreich und England zu sehen, um den Schaden zu erkennen, den ein so enger Standpunkt dem eigenen Volksleben schlägt. Selbstvergötterung ist eine dem Einzelnen wie den Völkern höchst schädliche Sache." Der Redner schloß mit der Ermahnung, stets nur das Wohl des Ganzen im Auge zu haben, niemals der eigenen Rechthaberei, dem eigenen Dünkel, stets nur dem Vaterland und dem Wohle des Volkes zu dienen. Wer seine Aufgabe so erfasse, von dem werde man, wenn er vom Schauplatze abberufen werde, sicher sagen: „Mit ihm ist ein echt deutscher, treuer Mann und Diener seines Volkes dahin gegangen!" Daß ein Mann mit solchen Gesinnungen im Kreise der Vereine Deutscher Studenten leider jetzt noch als „ein weißer Rabe" gilt, scheint daraus hervorzugehen, daß schon in der nächsten Nummer der „Akademischen Blätter" eine Entgegnung eines Dr. Haenisch veröffentlicht wurde, die . mit der Bemerkung eingeleitet wurde, der neue Redakteur habe selbst empfunden, daß die als Leitartikel veröffentlichte Rede des Professors Dr. Meinhold wenigstens als eine prinzipielle Kundgebung aufgesaßt werden konnte. Es müsse aber an dieser Stelle betont werden, daß die Kompromisse der praktischen Arbeit nicht zu Kompromissen der Gesinnung werden dürsten. Seiner Gesinnung gibt Herr Dr. Haenisch in folgenden Sätzen unverblümten Ausdruck: „Den Punkt, an dem sich unsere Bewegung entzündet hat, den Gegensatz, an dem wir zuerst den nationalen Kampf kennen lernten, sie sollen wir jetzt herabdrücken lassen zu einer Verirrung oder Uebertreibung; wir sollen vom christlichen Prinzip lernen, über der Betonung der völkischen Gegensätze das allgemein Menschliche nicht zu vergessen, aus wohlverstandenem nationalen Interesse müssen wir die Kräfte unserer jüdischen Mitbürger zur Mitarbeit an unserem Volke verwenden? Was heißt das? Wollten wir früher die Juden totschlagen, ihres Eigentums be-