Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein weißer Rabe im "Verein deutscher Studenten"
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 550 (sequence 4)
- Language
- German
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550 Im deutschen Reich. rauben, für vogelfrei erklären? Diese Ansicht ist mir ernstlich nicht begegnet. Oder waren unsere Grundsätze so streng, daß wir im Falle eines Krieges jüdisches Kapital zurückgewiesen hätten? (um nur ein krasses Beispiel zu nennenl) Eine rein menschliche Duldung, ein Zusammenarbeiten unserer Men Herren mit ihnen von Fall zu Fall war nicht ausgeschlossen. Dann aber kann Herrn Meinholds Forderung nur die Anerkennung völliger Gleichberechtigung unserer jüdischen Mitbürger bedeuten! Eine eigenartige „nationale" Weltanschauung, die vor dem ersten, auf Schritt und Tritt ihr aufstoßenden Problem die Augen zumacht bezw. zwar den Unterschied sieht, aber nicht die Konsequenzen zu ziehen wagt." Dr. Haenisch kommt zu dem tragischen Schluffe, Bismarck würde sich nicht freuen, wenn der Verein Deutscher Studenten das Greisentum, das alles versteht und alles verzeiht, das den Mut des Entschlusses nicht mehr finden kann, im Verbände zum Herrn werden ließe. — — Was der eiserne Kanzler tun würde, wenn er heut noch lebte, kann Herr Dr. Haenisch kaum beurteilen! Fürst Bismarck war der Mann, als Realpolitiker aus allen Verhältnissen stets die passenden Konsequenzen zu ziehen, sich nie von jugendlicher Schwärmerei treiben zu lassen, nicht alles zu verzeihen, dennoch alles zu verstehen. Wie er den im Verein Deutscher Studenten stets umjubelten Vater des Antisemitismus von sich abgeschüttelt hat, das ist von Dr. Stöcker selbst kürzlich in seinen in der Zeitschrift „Das Reich" veröffentlichten interessanten Lebenserinnerungen erzählt worden. Fürst Bismarck hat tatsächlich bei Ausführung großer nationaler Dinge weder nach dem Katechismus noch nach der Abstammung gefragt, wenn er fähige Mtabeiter suchte und fand. Daß er sie je unter solchen Mitgliedern der Vereine Deutscher Studenten gesucht hätte, die das, was Prof. Dr. Meinhold kürzlich lehrte, nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, ist kaum anzunehmen. Die Entgegnung des Dr. Haenisch ist nicht widerspruchslos geblieben; bereits in der folgenden Nummer der „Akademischen Blätter" trat Herr eand. tlieol. Horstmann, A. H. Kiel, diesen Angriffen mit der Erklärung entgegen, daß ihm der Ernst und die Offenheit der Meinholdschen Rede sympathisch und ihr Inhalt aus der Seele gesprochen sei. Nachdem er Herrn Dr. Haenisch gegenüber betont, daß das, was Meinhold von jedem fordere, der „national" sein wolle, vollständig korrekt sei, wendet sich