Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Ein weißer Rabe im "Verein deutscher Studenten"
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 548 (sequence 2)
- Language
- German
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548 Iw deutschen Reich. hinauszugehen, hindert uns das christliche Prinzip ebensosehr wie das wohlverstandene nationale Interesse. Das erste lehrt uns, über die Betonung der völkiichen Gegensätze das allgemein Menschliche nicht zu vergessen. Das zweite aber zwingt und nötigt uns durchaus dazu, aus dem, was man als Nebel empfindet, für unser Volk Nutzen und Segen zu ziehen. Wir müssen aus der Tatsache, daß unter uns so viele jüdische Mitbürger wohnen, die richtigen Konsequenzen ziehen, ihre Kräfte zur Mitarbeit an unserem Volk verwenden. Die geistige Beweglichkeit, wie sie den Juden meist zu eigen ist, mag und soll unserem deutschen Volk zu gute kommen; die Gewandtheit im Handel und Wandel soll uns, wo wir so stolz gerade hier voranschreiten, lehrreich und nützlich sein; die stetige gespannte Aufmerksamkeit, das Vorwärtsdrängen, wenn auch oft im eigenen Interesse, soll dem deutschen Michel die Schlafsucht vertreiben; ihre Begeisterung für Kunst, ihre unleugbare Begabung für die Reproduktion derselben, der wir Deutsche doch manches verdanken, ihre unzweifelhaft oft bewiesene Opferfähigkeit für diese Dinge, mag sie auch nicht immer den reinsten Beweggründen entsprungen sein, soll den Deutschen treiben und stacheln, daß er an noch etwas mehr denkt, als an seinen Skat und Biertisch. Es ist also nationale Pflicht, das Gute, den Nutzen, der uns aus dem Zusammensein mit diesem begabten Volke erwachsen kann, auch wirklich herauszuziehen, ohne dabei der Gefahren zu vergeffen, die gerade für den Deutschen von hier aus sich erheben. Vergessen wir nicht der großen Taten, die ein Dernburg für unsere Nation, gerade in unserem Sinne, getan hat. Er aber entstammt dem jüdischen Volke." Im weiteren Verlaufe seines Festvortrages mahnte der Redner, die verschiedenen religiösen Auffassungen nicht zum Sprengmittel des nationalen Baues werden zu lassen; er verwies auch aus die Gefahr, den ganzen Verband zu einem Absenker der christlich-sozialen Partei werden zu lassen. Immer müsse es heißen: „Kampf der Phrase bis aufs Messer." „Die Vereine Deutscher Studenten sind nicht und sollen nicht sein die Schleppenträger irgend einer kirchlichen und politischen Partei. Wenn sie so einseitig ihre Aufgabe fassen, dann verfehlen sie ihren Zweck, denn sie wollen dem ganzen Volke dienen. Es gilt, das berechtigte Bewußtsein des eigenen Könnens, der