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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 541

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Die sozialen Voraussetzungen der antisemitischen Bewegung in Deutschland
Date
1907-10-01
Page
541 (sequence 5)
Language
German
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Die sozial. Voraussetzungen d. arrtisewit. Bewegung i. Deutschland. 541' Was endlich das Proletariat anbetrifft, so finden wir hier am allerwenigsten Judenhaß und Judenverachtung, und Zwar aus dem Grunde, weil im Proletariat die Ueberzeugung lebt, daß man mit dem Zeitalter des Verkehrs und mit dem Zeitalter fortgeschrittener Technik notwendig rechnen muß, und daß der Kapitalismus ein Uebel ist, das nicht durch Bekämpfung einzelner sozialer Schichten, sondern lediglich durch die gesamte wirtschaftliche Entwickelung überwunden werden kann. Darum ist auch die Sozialdemokratie vom Grunde aus niemals judengegnerisch gewesen, weil sie folgerichtig jeden Kapitalismus als solchen bekämpft und weil sie, nicht wie diejenigen, die gleich denken, aber sich nichts zu sagen trauen, die Juden bekämpfen und den Kapitalismus weinen. Gerade die Betrachtung der Sozialdemokratie von den hier eingeschlagenen Gesichtspunkten aus beweist, daß man in großen Kreisen Recht hat, wenn mau den Antisemitismus in seiner neuzeitlichen Gestalt als einen Sozialismus der Dummen ansieht. VIII. Die Satzungen des Centralvereins enthalten in ihrem allgemeinen Teile die Forderung, der Centralverein solle ausklärend und belehrend durch Wort und Schrift wirken. Die vorige Betrachtung wird bewiesen haben, welche große Reihe von Jrrtümern und falschen Anschauungen gerade in bezug auf die sozialen Voraussetzungen des Antisemitismus in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen herrschen. Diese auszuklären und etwas Licht in die vielfach dunklen Zusammenhänge zu bringen, ist der Zweck der Ausführungen gewesen. Den Antisemitismus kann man nicht allein mit bloß abwehrenden Bestrebungen bekämpfen. Es muß zu diesen rein auf das Negative gerichteten Kämpfen auch etwas Positives not-- wendig kommen, und dieses Positive ist die Aufklärung in den Kreisen der Juden und Nichtjuden. Man mag dem entgegenhalten,' in jüdischen Kreisen sei eine derartige Aufklärung nicht notwendig, weil man ja dort so wie so wisse, was man von der judengegnerischen Bewegung zu halten habe. Diese Auffassung ist verhängnisvoll. Denn niemals haben wahre Judenfreunde verschwiegen, daß den Juden, wie allen übrigen Volksschichten. Fehler und Mängel eigen sind. Niemals konnte ein gerechter Beurteiler behaupten, daß nicht auch unter den Juden Licht und Schatten in gemessener Weise verteilt seien. Worauf es aber

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