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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 540

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Die sozialen Voraussetzungen der antisemitischen Bewegung in Deutschland
Date
1907-10-01
Page
540 (sequence 4)
Language
German
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540 Im deutschen Reich. Man hat*) mit Recht daraus hingewiesen. Laß die Linde, unter der der Junker in seiner Kindheit gespielt hat, daß die Begräbnisstätte seiner Ahnen ihm durch die Besonderheit seiner Vergangenheit ganz besonders ans Herz gewachsen ist, und daß er deshalb an und sür sich schon anders wie der im Verkehrsleben stehende Jude an diesen Werten hängt. Im Gegensatz zu dem mehr quantitativ veranlagten Juden ist der Adel im wesentlichen auf das qualitative Moment gerichtet; wenn dem Juden ein vielleicht zu großer quantitativer Einschlag eigen ist, trifft beim Junker das Gegenteil zu. Beide Gruppen stellen in dieser Hinsicht Gegensätze dar. Es ist dem Rittergutsbesitzer nicht gleichgiltig, ob er dieses oder jenes Stück Erde sein eigen nennt, mögen auch beide einen gleichen Verkehrswert haben. Dem Adel sind nicht nur menschliche Eigenschaften, sondern vielfach auch gewisse Gegenstände, man möchte sagen, mit angeboren; deswegen haßt er die manchmal so nötige .Mobilisierung" des Grundbesitzes, deswegen sieht er auf jeden herab, der nicht Ar und Halm besitzt. Gewiß sind diese Eigenschaften bei unserem heutigen Erwerbsleben nicht haltbar, sie werden sich im Laufe der Zeiten auch wandeln. Aber sie sind nicht allein aus einem angeborenen Hochmut zu erklären; ein gerechter Beurteiler wird auch hier die Energie, die Charakterfestigkeit und die Vaterlandsliebe vieler Kreise lobend anerkennen müssen. Auf diesem nur kurz angedeuteten Gebiete sind noch viele Vorurteile zu zerstreuen. Sombart**) weist auch auf das Geheimnis hin, weshalb seigneuraler Luxus stets einen Zug von Vornehmheit bewahrt, während bourgeoiser alsbald in Protzerei ausartet. Es ist eben dieses Geheimnis in der Wertung der Qualität im Gegensatz zur Quantität zu finden; beim Junker genügt ein Schmuck, der ererbte; beim Bourgeois muß es ein ganzer Kasten voll Schmuck sein. Und wenn in diesem Zusammenhang das Junkertum der Bourgeoisie gegenüber gestellt wird, so gilt das von der Bourgeoisie Gesagte ganz besonders für das Judentum; die jüdische Masse in unseren deutschen Städten ist kraft ihrer Entwickelung gewissermaßen die Ausprägung des Begriffes der Bourgeoisie. Dazu kommt noch eine gewisse Selbstverständlichkeit des Reichtums beim Junker. Der Jude zeigt ihn; der Junker setzt ihn bei seinesgleichen voraus. *) Sombart a. a. O. S. 542. **) a. a. O°

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