Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 506 (sequence 12)
- Language
- German
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508 Im deutschen Reich. Zwietracht sät, indem sie über eine Million friedlicher Staatsbürger, die in den verschiedensten Teilen der österreichischen Monarchie ein vermittelndes Element gebildet haben, nahezu rechtlos zu machen strebt. Vor Jahren schien es, als ob die österreichischen Staatslenker dieser Tatsache Rechnung zu tragen beabsichtigten und nicht vor dem durch judenfeindliche Streber verleiteten Wiener Banausentum die Segel zu streichen gewillt seien. Bald aber haben sie sich mit dem durch die Christlich-Sozialen kräftig unterstützten Volkstribunen Lueger zu verständigen gesucht, der zwar auf sein demokratisches Programm verzichtete, aber dabei mit Hilfe des Prinzen Aloys Liechtenstein seine früheren radikal-antisemitischen Genossen dadurch beschwichtigte, daß er ihnen an vielen Stellen Untere schlupf verschaffte und nicht nur im Wiener Magistrat, sondern auch im niederösterreichischen Landtage stets zur Erfüllung ihrer Herzenswünsche verhalf. Der Antisemitismus wurde durch Lueger in Oesterreich nicht nur hoffähig, sondern auch nahezu regierungsfähig; denn wenn seitdem auch kein Ministerium sich zu ihm offen bekannte, ist doch seit Jahren fast jedes Ministerium ängstlich bemüht, die antisemitischen Massen bei guter Laune zu erhalten. Aus keinem andern Grunde sind verschiedene im österreichischen Abgeordnetenhause von freisinniger Seite überreichte Interpellationen über Bedrängnisse jüdischer Bürger von den Vertretern der Regierung entweder gar nicht oder nur ungenügend beantwortet worden. Dieses Schicksal hatte auch folgende von den Abgg. Br. Straucher und Genossen überreichte Interpellation: „Ist die k. t Gesamtregierung oder Seine Exzellenz der Herr k. k. Ministerpräsident geneigt, im verfassungsmäßigen Wege der Intervention bei Seiner Exzellenz dem Herrn k. k. Minister des Aeußern dahin zu wirken, daß dieser seinen amtlichen Einfluß bei der königlich preußischen Regierung wegen Beseitigung der polizeilichen Ausweisungen österreichischer Staatsangehöriger einsetze?" Diese Interpellation war mit dem Hinweise darauf begründet, daß durch einzelne Ausweisungen völlig unbescholtener österreichischer Juden aus Preußen die Vertrags-, mäßig verbürgte Freizügigkeit der Bewohner beider Staaten beseitigt sei. Wie weit von deutscher Seite Schritte getan werden, ohne eine österreichische diplomatische Intervention mit einer Verwaltungspraxis zu brechen, die auf eine Differenzierung öfter-