Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 504 (sequence 10)
- Language
- German
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504 Jtn deutschen Reich, ' i den bereits antisemitisch infizierten Teil ihres Leserkreises erklärlichen, aber tatsächlich widersinnigen Einschränkung nach. Sie mißbilligen zwar Anfeindungen der religiösen Einrichtungen der Juden, erachten aber vollständige Gerechtigkeit gegen die jüdischen Mitbürger deshalb nicht für angezeigt, weil ihrer Meinung nach von den christlichen oder zu den Dissidenten gehörenden Redakteuren mehrerer von Juden herausgegebenen Tageszeitungen, die sie unberechtigter Weise als „Judenbläiter" bezeichnen, die Wahrung katholischer Interessen als konfessionelle Sonderbestrebungen angesehm würde. Das Berliner Hauptorgan des Zentrums, die „Germania", ist offenbar nicht imstande, auf dieses mindestens illoyale Kampfmittel gegen den Liberalismus zu verzichten, weil es unverkennbar weit mehr ihren antisemitischen Sympathien als den von ihr vertretenen „religiösen Interessen" entspricht. Sie schrieb nach einem dieser Kampfweise entsprechenden heftigen Ausfall über die „Parität" eines jüdischen (?) Blattes: „Bei diesem Anlasse ist es wohl nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, wie gerade das Zentrum unter Windthorsts Führung für die Wahrung berechtigter religiöser Interessen der Israeliten und damit für die wahre Parität eingetreten ist, indem es s. Zt. den Erlaß eines Schächtverbots bekämpfte." Dieser Hinweis ist tatsächlich überflüssig; denn der „Germania" kann es nicht unbekannt sein, daß gMubenstreue Juden stets das Andenken der verstorbenen Zentrumsführer Windthorst und Lieber dankbar in Ehren halten und nur bedauern, daß von deren Traditionen in den Spalten der „Germania" und ihr nahestehender Blätter nur noch sehr schwache Spuren zu finden sind. Wie demoralisierend der Antisemitismus auf einzelne ultramontane Provinzblätter wirkt, davon gibt die Tatsache Zeugnis, daß die von dem Wahn der in Wirklichkeit gar nicht vorhandenen „Judenpresse" selbst nicht ganz freie, aber doch zu den vorurteilsfreieren katholischen Blättern zählende „Neisser Zeitung" sich gedrungen fühlte, der ultramontanen „Oberschles. Zeitung" gründlich den Text zu lesen. Jenes in Beuthen erscheinende Blatt hatte dem dortigen jüdischen Kaufmann Jacob Heymann öffentlich den Vorwurf grober Unsittlichkeit gemacht und daian die Bemerkung geknüpft, daß der Fall für die Beuthener Verhältnisse