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Im deutschen Reich · 1907-09-01 · Heft 9 (September 1907) · p. 502

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 9 (September 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-09-01
Page
502 (sequence 8)
Language
German
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502 Im deutschen Reich. trennen seien, daß unsere nationale Einheit so lange nicht fertig sei, als unsere Gottesverehrung nicht auf einem gemeinsamen Grunde ruhe, daß mir uns daher umbilden müssen, um beiderseitig der religiösen Einheit näher Zu kommen, so können wir doch nicht umhin, solche Aussprüche mit den Grundsätzen zu vergleichen, die uns unsere Glaubensoäter gepredigt haben. Wir können also nicht zugeben, daß unserenationaleEinheitmitunserer GorLesverehrung aus einem gemeinsamen Grunde ruhen müsset — Der Katholik, der diese Ausführungen recht beherzigt, wird nicht eine Minute daran Zweifeln können, daß auch die Begeisterung deutscher Juden für die nationale Einheit murzelecht ist, und daß glaubenstreue Katholiken sich mit „den ihnen von ihren Glaubensvätern gepredigten Grundsätzen" in Widerspruch setzen, wenn sie sich mit den antisemitischen Tivoli- Konservativen, mit den Christlich-Sozialen oder gar mit jenen radikalen Antisemiten verbrüdern, die durch Sonnenwendseiern wieder die heidnische Anbetung gefühlloser Naturgewalren aufsrischen, von der einst der fromme Bischof Winfried Bonisacius tatkräftig die Germanen befreite. Diese entchristlichenden Strebungen der Antisemiten sind so ernster Natur, daß man kaum begreift, wie nicht selbst der Anhang Stöckers schließlich darauf kommt, was die logische Konsequenz der Bewegung ist, die dieser protestantische ehemalige Hofprediger als „Vater des Antisemitismus" angefacht hat. Ob „christlich-sozial" nahezu gleichbedeutend mit ^antisemitisch" sein kann, ist eine Frage, die Zu beantworten nicht unsere Aufgabe ist, aber daß antisemitisch nicht nnr antijüdisch ist, darüber kann doch in gebildeten Kreisen kaum ein Zweifel mehr obwalten. Gerade die den sogenannten „wissenschaftlichen Antisemitismus" vertretenden Schriftsteller machen nicht den gering-en Hehl daraus, daß sie die „Judensrage" als eine vorzugsweise „wirtschaftliche" und . ethnographische" betrachten und als eine religiöse nur insoweit, als sie den von ihnen bekämpften „Semitismus" auch im Christentum zu vertilgen hoffen.. Lassen wir einen Vertreter dieser weit verderblicher als die Fanfaronaden Ahlwardts und Pücklers wirkenden „alldeutschen" Richtung einmal selbst reden. In der Nummer 12 der Leipziger Zeitschrift

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