Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 501 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 501 diesen wertvoller erscheinende katholische Zentrum nicht entschließt, ans dem politischen Schmollwinkel herauszukommen und den „konservativ-liberalen Block" durch eine neue „ultramontankonservative Jnteressen-Paarung" zu ersetzen. Vielleicht entschließt sich dann auch die enttäuschte nationalliberale Partei zu einem kräftigen Ruck nach links und ersetzt ihre jetzigen, sür die deutschen Juden wenig günstigen, mindestens eigentümlichen „Nationalitätsbegriffe" durch die einfache Beantwortung der Frage „was ist national?" mit dem lapidaren Satz „Deutsch ist, wer'deutsch spricht, denkt und fühlt; deutsch ist, wer deutsch sein will!" Eigentümlich ist, daß gerade ein katholischer Kirchenfürst öffentlich eine viel richtigere und nicht nur für die Katholiken in Deutschland, sondern auch für die deutschen Juden zutreffendere Definition der nationalen Gesinnung geliefert hat, als sie vielleicht von dem Nationalverein zu erwarten wäre. Bei der Einweihung der Bonifaziuskirche in Berlin hat nämlich am 21. Juni d. Js. der Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp in einer feierlichen Ansprache gesagt: „Aufrichtige Achtung vor fremder Ueberzeugung, gegenseitige Duldung, Liebe und Eintracht in allen gesellschaftlichen und bürgerlichen Verhältnissen sind die unerläßlichsten Voraussetzungen der bürgerlichen Einheit. Wo liegt also die Gefahr für letztere? Sie liegt darin, daß man diese Voraussetzungen verkennen und stören will, daß man Unfrieden statt Frieden, Unterdrückung statt gegenseitige Achtung predigt und so den Riß erweitert. Wir wollen uns dieser Sünde am Vaterlande nicht schuldig machen. Wir wollen daran festhalten, Gott zu geben, was Gottes ist; aber je mehr wir dieses Pstichtgefühl vertiefen, desto stärker ist unsere Kraft, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Gewiß erkennen wir an, daß es ein hohes Gut wäre, wenn eine einheitliche Grundströmung die deutsche Volksseele durchrinnen würde, wenn die Verschiedenheit in den höchsten Lebensfragen nicht vorhanden wäre, wenn das deutsche Volk gemeinsames Denken und Fühlen auch in den heiligsten Interessen durchdringen würde. Darum findet jeder Ruf zur Einigung in unseren Herzen freudigen Widerhall. Aber über dieses freudige Empfinden des Herzens dürfen wir dem Verstände sein Recht nicht nehmen. Wenn wir hören, daß Nationalität und Religion nicht, voneinander zu