Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 500 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich SSO' von Antisemiten weder verwinden, daß ihnen ihr bekehrter ehemaliger Parteigenosse v. Gerlach in den Zügel fällt, noch daß im »Nationalverein"', der doch mit den stark »antisemitelnden Alldeutschen" zu rechnen hat, Professor Eberhard Gothein »der Katze" zu sagen gewagt hatte, »daß sie eine Katze ist." Wie immer, wenn sie mit ihrem Latein zu Ende sind, bemühten sich die »Deutsch- Sozialen Blätter" sarkastisch zu werden und sagten: »Daß Herr v. Gerlach nicht wie der gute Professor Lombroso auch noch gleich die wissenschaftlich festgestellte Ursache antisemitischer Geistesstörungen erwähnt, läßt immerhin noch auf einen Rest von Selbstbesinnung schließen. Rechten Spaß aber versprechen wir uns für die Folge noch von dem abermals gegründeten »Nationalverein". Der Herr Professor, den wir übrigens nicht mit seinem Bruder, dem Reichstagsabgeordneten, zu verwechseln bitten, weil beide sich mit Recht durch solche Verwechselung gekränkt fühlen könnten, dürfte uns noch öfter frohe Stunden bereiten. Voraussetzung dabei ist freilich, daß der Nationalverein noch etwas am Leben bleibt oder Nachkommenschaft erzeugt." Es wäre aber jedenfalls grundfalsch, aus dem Aerger der Antisemiten über die Aeußerung Gotheins den Schluß zu ziehen, daß die Nationalliberalen sich nun zu liberalen Grundsätzen bekehren und den Entschluß fassen würden, die Antisemiten als Leute zu betrachten, deren »perverse Richtung es unmöglich mache, mit ihnen einen Händedruck auszutauschen." Die Massenversammlung hat tatsächlich diese Worte des Professors Gothein mit eisiger Stille ausgenommen, ihm auch keineswegs zugejubelt, als er über das Reserveoffizierswesen und über die einseitige Wirtschaftsinteressen vertretenden Agrarier sich freimütig äußerte. Die Zweifel des Liebermannschen Organs, ob „der Nationalverein" am Leben bleibt, sind demnach nicht ganz unberechtigt; denn die von ihm als unerläßlich betrachtete Anlehnung an die »echten Konservativen" und die Kampfeslosung »gegen Schwarz-Rot" bieten dafür geringe Bürgschaften. Unter den Konservativen sind es gerade die entschiedenen Agrarier und auf das antisemitische Tivoli-Programm eingeschworenen Parteigänger, die die kurulischen Aemter besetzen und keine liberalen Regungen aufkommen und sich die Bundesgenossenschaft der Christlich-Sozialen und nationalliberalen »Alldeutschen" auch nur gefallen lassen, so lange sich das für die wirtschaftlichen Interessen der Konservativen