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Im deutschen Reich · 1907-09-01 · Heft 9 (September 1907) · p. 489

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 9 (September 1907)
Article
Die sozialen Voraussetzungen der antisemitischen Bewegung in Deutschland
Date
1907-09-01
Page
489 (sequence 17)
Language
German
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Die sozial. Voraussetzungen d. antifermL. Bewegung i. Deutschland. 489 dazu gedient, Grenzen zu sperren, Völker zu trennen, den Verkehr zu hemmen und schließlich auch nationale Leidenschaften zu erregen; alles das mußte gegen jüdische Interessen und Anschauungen gehen. Nicht als ob dus.Gros der Juden aus dem Grunde gegen den Schutzzoll war, weil es selbst am Ackerbau wenig beteiligt ist, nein, man fühlte in jüdischen Kreisen recht sehr, daß mit der Einführung des Schutzzolls die Reaktion überhaupt unterstützt wurde, und man wußte zu gut, daß die agrarische Reaktion von jeher für die Knechtung möglichst vieler Zu Gunsten weniger eingetreten war. Die Stellung der Bauern zur Judenfrige wurde dann weiter bedingt durch den sogenannten Wucher auf dem Lande. Mit diesem Wucher hat es bei richtiger Auffassung des Problems eine eigentümliche Bewandtnis. Wer nämlich die Verhältnisse genau kennt, weiß, daß der Bauer zum Verkaufe seines Viehes, Zum Teil auch zum Verkaufe seiner Ernte einen Vermittler braucht, weil er einfach nicht diejenigen Gaben besitzt, welche notwendig sind, um einen derartigen Verkauf in zweckmäßiger Weise zu betätigen, vielmehr diese Fähigkeiten sogar verächtlich behandelt und ansieht. Da war es gerade der Jude, welcher in einer zunächst dem Bauern sehr angenehmen Weife seine Vermittlerdienste in sein Interesse stellte, und welcher in Wind und Wetter, bei Tag und Nacht, für den Bauern lief und für ihn arbeitete. Und wenn der Bauer Geld brauchte, gab es der Jude her. Das war dem Bauern auch recht; aber in dem Augenblick, wo er es zurückzahlen, wo er überhaupt eine Vergütung für die Leistungen des Juden zahlen sollte, da wurde es ihm klar, daß er doch eigentlich derjenige war, der das Vieh produzierte und das Getreide geerntet hatte, und daß der Jude deshalb garnichts verdiene. Und so kam eine Vorstellung auf, welche in dem Juden lediglich die Drohnen im Bolkskörper sah, die aber nicht berücksichtigte, daß deren Funktionen volkswirtschaftlich nötig waren und daß alle Bemühungen, diese Funktionen durch andere Persönlichkeiten aussühren zu lassen, ohne Ergebnis im Sande verlaufen sind. Gewiß ist das Geldgeschäft auf dem Lande vielfach in unrationeller Weise betrieben worden, gewiß sind auch genug Fälle bekannt, in welchen Juden in unreeller Weise vorgegangen sind. Aber im großen und ganzen ist doch die Klage über den Wucher aus

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