Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 426 (sequence 8)
- Language
- German
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Zm deutschen Reich. '_V> Bus die Frage: .Wer provoziert den Antisemitismus?" ist vor einigen Wochen in einem jüdischen Blatte eine Antwort erteilt worden, in der auch die Gegenfrage enthalten war: ,Jn welchem Lager sind jene unbesonnenen Juden zu suchen, die in kulturkämpferischen Reden gegen die Katholiken sich nicht erschöpfen können und dadurch Taufenden unter Katholiken lebenden Juden die wirtschaftliche Existenz erschweren, wenn nicht unmöglich machen?' Uns sind solche Juden überhaupt nicht bekannt, weil für uns die Rasse nicht das entscheidende Merknial ist. Ueberzeugungstreue Juden, die sich im Kulturkampf gegen Katholiken wandten, durfte es kaum geben, und für das Verhallen der zum Christentum übergetretenen Juden sollte ein vorurteilsfreier Katholik nur die veraulwcrrlich machen, die auf den Abfall vom Judentum eine Vrämie fegen. Zu den .vorurteilsfreien' Katholiken gehört jedoch osicnbar die .Germania" nicht, da dieses katholische Organ an eine Standrede wider .die Schnorrer und Verschwörer" die Bemerkung knüpfte: .Die Verteidigung solcher .Russen" durch liberale Blätter aber gehört in das Kapitel: .Wer provoziert den Antisemitismus?" Daß auch das Organ Stöckers diese Frage und eine von dem ursprünglichen Fragesteller erteilte Antwort, die sich seltsam genug gegen die .liberalen Juden" richtet, für ihre judenfeiudlichen Zwecke ausbeuten würde, ließ sich unschwer ooraussehen. Die .Allgemeine Zeitung des Judentums" hatte deshalb berechtigten Anlaß, darauf hinzuweisen: .wohin die häßlichen und zwecklosen Fehden von Juden unter- und gegeneinander. die nicht den geringsten substantiellen Hintergrund haben, am Ende führen müssen. Sie sind nur Futter für die ontisemirische Krippe". Bei den Wahlen zu dem öftcrrcichischen Reichsrat haben solche Fehden von Juden unter einander wesentlich dazu beigeiragen. daß die von den Reichswahlen erhoffte Anfrischung der bürgerlichen Parteien nicht in einer Weise e:'o!g:e. die der antisemitischen Bewegung Einhalt Hütte tun tannen. — Die Sozialdemokraten, die bei den Wahlen glänzende E'.'olge erzielt haben, werden diese Bewegung nicht fördern, aber durch ihren Machtzuwachs vielleicht unwillkürlich den -.neu Zusammenschluß der konservativen Fraktion herbeider für die Juden verhängnisvoll werden kann.