Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 427 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 427 Wenn anfangs behauptet wurde, daß 23 Juden in das österreichische Abgeordnetenhaus gewählt seien, hat sich dies später als irrig erwiesen, da in dieser Zahl mehrere Abgeordnete mitenthalten waren, die nur der Abstammung nach vcn den Antisemiten den Juden zugeteilt wurden. Von den 17 jüdischen Reichsratsmitgliedern sind 4 Zionisten und bilden den J üdischnationalen Klub, nämlich Adolf Stand, Dr. Strauche r, Dr. Mahler und Dr. Gabel. 4 Juden gehören zum Pelenklub: Dr Löwenstein, Dr. Kolischer,Dr.Gold und Jakob Galt. Dem Sozi allstenklub gehören 6 Juden an, nämlich Dr. Ellenbogen, Dr. Diamand, Freundlich, Beer, Dr. Leo Winter und Dr. Liebe cmann. Unter den Deutschfreisinnigen befinden sich 2 Juden: Dr. Kuranda uno Dr. Ofner — 1 Jude, Dr. Groß, der in Krakau gewählt wurde, ist Wilder (nicht zu verwechseln mit dem christlichen Abg. Dr.' Hroß-Jglau). Daraus erhellt genügend die Mannigfaltigkeit der politischen Anschauungen der österreichischen Juden. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde die Zahl der' gewählten nichtantisemitischen christlichen Abgeordneten eine viel größere sein, wenn nicht sogar jüdische Wähler vielfach gegen jüdische Kandidaten gestimmt hätten, die nicht ihrer religiösen Richtung angehörten, und wenn nicht von jüdischer Seite mit fanatischer Begeisterung für eine einzelne politische Fraktion auch manche Kandidatur unterstützt worden wäre, die jetzt nur die Macht der christlich-sozialen Antisemiten oder der alldeutschen Fortschrittler verstärkt, die sich gegen die Juden in ähnlicher Weise abschließen. Daß von den alldeutschen Kandidaten weder der Führer Schönerer noch Dr. Schalk, daß der älteste und entschiedenste Antisemit der Christlich-Sozialen, Ernest Schneider, durchgesallen ist, bietet geringen Trost gegenüber dem Verlust, den die Sache der Aufklärung durch die Bildung eines deutsch-freisinnigen Parteiverbandes erlitten lat, der die beiden jüdischen Wiener Abgeordneten Dr. Kuranda und Dr. Ofner, sowie den judenfreundlichen Hosrat Baron Hock ausschloß, um sich mit dem Radau-Antisemiten A. H. Wo.'s und seinem Anhänge verbinden zu können. Dieses schmachvolle Bündnis brachte aber der durch die Hilfe der Juden gewählte deutschfortschrittliche Abgeordnete Dr. G r o ß zu stände, der s nne ganze freisinnige Vergangenheit verleugnete,um,national-deutsche zu sein und mit Agrariern und radikalen Antisemiten sraternisie cen zu können. In einer zahlreich besuchten Versammlung der freisinnigen Wähler-