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Im deutschen Reich · 1907-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1907) · p. 407

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1907)
Article
Innere Mission
Date
1907-07-01
Page
407 (sequence 8)
Language
German
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Innere Mission 407 sondern auch den Geist zerrütten. Aber selbst müßige Leute gönnen sich Genüsse, die ihnen ungemeinen Nachteil bringen, z. B. das Vergnügen an zweifelhaften Büchern, erotischen Bildern und sinnlich erregenden Theaterstücken. Diese Ansicht werden .modern erzogenes Juden pedantisch finden und meinen, man müsse solche harmlosen Sachen nicht so schwer nehmen. Aber so manches traurige Ereignis der Neuzeit hat auch in jüdischen Kreisen die alte Erfahrung bewährt, daß wenn mau sich erst gewöhnt, sich für das Schlimme und Häßliche zu interessieren, der heilsame Abscheu davor sich nach und nach gänzlich verliert. Wir haben als deutsche Juden unverkennbar große Kulturfortschritte gemacht, aber darüber wollen wir nicht preisgeben, was wir schon vorher Gutes und Schönes besaßen, vor allem nicht für den idealen Sinn unserer Ahnen den groben Materialismus eintauschen, der rings um uns untere dem Deckmantel eines .gesunden Naturalismus" mehr und mehr an Boden gewinnt. Auch in jüdischen Kreisen wirkt jetzt vielfach die Jag!) nach Gcwinn und Genuß aufreibend. Weit glücklicher waren die jüdischen Voreltern durch viele kleine Freuden, die in unserer Zeit nur noch selten sind, weil der Sinn für einfache Verhältnisse immer mehr schwindet und fast nur noch das Groß,; und Blendende Beachtung findet. Dabei bringen die erkämpften teuer erkauften Lustbarkeiten fast nie wirklichen Genuß. Me kleinen Freuden eines Morgenspaziergangs in freundlicher Siegend der nächsten Umgebung schätzen nur wenige; gar viele machen „große Reisen" mit Entfaltung von viel Luxus; aber sie reisen ohne Verständnis. Die Gier nach großen Vergnügungen und die Jagd nach dem Glück sind schließlich doch nur Zeichen der Armut des Geistrs und Leerheit des Herzens; denn der wirklich Gebildete genießt wahrhaft durch Kunst und Natur, ohne sich viel darum zu mühen, weil er das dem Schönen Verwandte harmonisch in sich selbst findet. Es ist eine für uns Juden, denen das Glück unserer Kinder ft* sehr am Herzen liegt, ganz dringende Notwendigkeit, daß ü Schule und Haus bei der Erziehung der Jugend in dieser wieder der Sinn für einfache Verhältnisse wachgerufen and gepflegt wird. Daß es damit nicht zum besten bestellt ist, daß ijterbi-i auch die innere Mission bei uns Juden noch ein gutes Stück Arbeit zu bewältigen hat, beweisen zwei tiefbedcuerliche Erscheinungen, die Zunahme der Zahl der Kindertau seit und

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