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Im deutschen Reich · 1907-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1907) · p. 405

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1907)
Article
Innere Mission
Date
1907-07-01
Page
405 (sequence 6)
Language
German
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Innere Mission 405 Weil mit den angeführten Beispielen nur ein einzeln er Zweig der .inneren Mission" berührt ist, die zweifellos za den wichtigsten Aufgaben des Central-Vereins gehört, verweisen wir noch auf andere alltäglich vorkommende kleine Sünden Einzelner, Sünden, die auch für die Gesamtheit nachteilig werden können, wie z. B. Spottsucht, Tadelsucht, Zweideutigkeit der Rede, Selbstüberhebung, Wankelmut, Unterwürfigkeit vor Höherstehenden und Hochmut gegen Unbegüterte oder Ungebildete, eine an Geiz grenzende Sparsamkeit oder unsinnige Verschwendung u. a. m. Daß nicht Juden allein sich solcher Dinge schuldig machen, ist ebenso unleugbar, wie daß der Antisemitismus, der den niedrigsten menschlichen Instinkten entsprießt, selbst dann nicht aufhören würde, wenn alle Juden Mustermenschen wären. Weil man uns aber nie als einzelne beurteilt, sondern unsere Fehler stets als solche der ganzen Judenheit hinzu'tellen pflegt, sind unsere Fehler doppelt sorgfältig zu vermeiden, und wir müssen danach ringen, nicht nur ebenso gut, sondern besser und edler zu sein als andere und bei jeder Handlung daran denken, welche Folgen sie für die haben könnte, die man mit uns als solidarisch ansieht. Wir sind alle .Werdende", deshalb müssen wir beständig an uns selber arbeiten und nicht etwa unsere guten frommen Gebräuche aus dem Vaterhause als nicht mehr zeitgemäß betrachten, sondern ganz andere Dinge abstreifen, die mcncheul unter uns doch noch aus der Zeit der Unfreihe t anhängen, z. B. die Sucht, durch Aufwand von Geist oder Geld einen Verkehr mit den .Großen" der Erde zu erringen, der selten, wirklichen Vorteil bringt, während die sogenannten kleinen Leute ungezwungene Freundlichkeit stets dankbar anerkennen. Das Hervorkehren des Reichtums wirkt ebenso abstoßend wie der schmutzige Geiz, hochmütige Prahlerei ebenso widerlich wie demütige Kriecherei. Wer die goldene Mittelstraße wandelt, bescheiden bleibt selbst bei verdienstlichem Wirken, aber seine Würde kräftig wahrt gegen freche Angriff:, niemals darauf ausgeht, eine große Rolle spielen zu wollen, wohl aber danach strebt, gemeinnützig zu wirken und Ehre zu verdienen, dem wird diese infolge antiiemitischer Vorurteile vielleicht spät oder nicht in dem Maße zu teil, auf das er Anspruch hätte, doch gewiß nicht ganz versagt werden. Unbedingt zu vermeiden ist die Sucht, für mehr zu gelten, als man ist und hat.

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