Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 369 (sequence 6)
- Language
- German
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Berewsnachrichten. 369 der wegen strafbaren Eigennutzes, Wuchers, Vergehen gegen das geistige Eigentum, betrügerischen Bankerotts, verbotener Beschäftigung von Arbeiterinnen und Jugendlichen und wegen Uebertretung der Sonntagsruhe verurteilten Juden in den Jahren 1892 bis 1901 eine weit höhere Ziffer aufwies, als ihre Verhältniszahl eigentlich erwarten ließ, ist diese hohe Ziffer zwar annähernd, wenn auch nicht vollständig, aus den Berufsverhältnisfen zu begründen. Nach einer neueren Berechnung von Dr. Wassermann in den Münchener statistischen Abhandlungen haben die Zahlen sich seit 1901 wesentlich zu Gunsten der Juden verschoben, so daß die Kriminalität der Juden eine überaus günstige zu nennen wäre, wenn sie nicht bei i Delikten noch eine Ziffer aufwiesen, die sich nicht aus der Berufskriminalität vollständig erklären läßt. Angedeutet hatte der Redner schon im Anfänge seines Vortrags, daß diese auffallend wenigen ungünstigen Punkte der jüdischen Kriminalität aller Wahrscheinlichkeit nach darauf zurückzuführen seien, daß die Juden Zumeist in Groß- und Mittelstädten wohnen, wo weit mehr Anlaß zu den betreffend?.n Delikten gegeben ist, als auf dem flachen Lande, und daß in der Zahl der Verurteilungen auch viele enthalten seien, die nur wegen leichterer Vergehen erfolgt seien, bezw. wegen Verletzung solcher Gesetze, die erst in den letzten Jahrzehnten erlassen seien und mit denen man sich im gewerblichen Leben noch nicht genügend vertraut gemacht habe. Der Vortragende, der mit der Anregung schloß, an der Aufklärung des Problems der weniger günstigen Kriminalitätsziffern weiter zu arbeiten, wurde für seine fesselnden und belehrenden Ausführungen von der Zuhörerschaft mit lebhaftem Beifall belohnt. Der Vorsitzende betonte sodann, daß das Fazit der von dem Vortragenden angestellten Erörterungen ein glänzendes für die Juden sei, wenn sie auch an einigen Delikten doch mehr beteiligt scheinen, als man erwarten durfte. Daraus könne man aber keine ungünstigen Schlüffe gegen das Judentum ziehen, denn es bedürfe noch sehr der Aufklärung, wie viele der wegen der betreffenden Delikte erfolgten Verurteilungen nur auf einfache Uebertretungen, nicht aber auf Vergehen oder gar Verbrechen zurückzuführen seien. Herr Rechtsanwalt Dr. Brodnitz erklärte, daß die auf verschwindend wenigen Gebieten sich für die Juden als ungünstig erweisende Vergleichung der einzelnen Positionen der Kriminal-