Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 370 (sequence 7)
- Language
- German
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370 Im deutschen Reich. Statistik keineswegs einen peinlichen Eindruck zu erwecken geeignet sei, sondern nur die NotwendigkeiLbeweise, wissenschaftliche Bestrebungen Zu fördern, die darauf abzielen, die Ursache dieser vereinzelten dunklen Punkte aufzuklären. Der Vortragende habe dazu selbst schon wesentlich beigetragen, indem er auf die ungünstigen Verhältnisse in Groß- und Mittelstädten verwiesen habe, die weit wehr Anlaß Zu gewissen Delikten geben, als das Stillleben auf dem Lande, an dem nur wenige Juden Anteil haben. Dazu komme aber auch der die Erwerbsverhältniffe der Juden ungemein erschwerende Einfluß der antisemitischen Boykottierungen, der nahezu vollständige Ausschluß der Juden von den verschiedensten technischen Gebieten. Wenn heute jüdische Chemiker, Techniker u. s. w. kaum noch Anstellungen finden und auch in anderen Berufen die Juden weit schwerere Kämpfe ums Dasein zu bestehen haben als Andersgläubige, wenn sie noch immer in unverhältnismäßiger Weise auf das Geldgeschäft angewiesen sind, dem die weitesten Kreise Andersgläubiger fernstehen, müsse dies auf einzelne Ziffern der Kriminalstatistik einwirken, die tatsächlich das Produkt der in einem Staate sich geltend wachenden Lebensanschauungen, und im Einzelsalle auch die Not wiederspiegelt, die den Juden aufgedrängt wird. Daß jedes Land die Juden hat, die es verdient, tritt dabei deutlich zutage. Solchen Verhältnissen gegenüber wollen wir aber bei den zahlreichen uns günstigen Zahlen uns nicht beruhigen, nichts beschönigen sondern aus den Erfahrungstatsachen Lehren schöpfen. Das wird zu unserm Vesten und zum Besten der Gesamtbevölkerung dienen. (Lebhafter Beifall.) -- Im Schlußwort verwies Herr Geheimrat Prof. Dr. v. Liszt darauf, daß die von ihm mitgeteilten Ziffern durchaus geeignet seien, die bekannte Tatsache zu bekräftigen, daß die Kriminalstatistik der Juden eine sehr günstige sei. Wenn bei der Vergleichung der Ergebnisse der Konfesfionskriminalität noch ein kleiner nicht völlig aufgeklärter Rest übrig bleibe, lasse sich dieser aus den verschiedensten Ursachen erklären. Darüber volles Licht zu verbreiten, und die rechnerische Lücke durch wissenschaftliche Nachweise von autoritativer Seite vollständig auszufüllen, liege im allgemeinen Interesse. Er sei im voraus davon überzeugt daß das Judentum keinen Grund habe, die von ihm gewünschte Aufklärung zu fürchten. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende