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Im deutschen Reich · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. 366

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
[Ohne Titel]
Date
1907-06-01
Page
366 (sequence 3)
Language
German
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366 Iw deutschen Reich. aller biblischen Gebote auferlegt ist, diese volle religiöse Verpflichtung des Mannes aber nach jüdischen Begriffen als ein Vorzug betrachtet werden mußte. Bezüglich der Hauptstützen der irrigen Behauptung, daß die Frau erst durch das Christentum die ihr gebührende Stellung erhalten habe, während bis zum Jahre 1000 der üblichen Zeitrechnung den Juden Vielweiberei gestartet gewesen sei, erklärte der Vortragende, das Judentum habe die Polygamie nur gestattet, nicht besohlen; die meisten bedeutenden Männer des Judentums hätten auch nur eine Frau gehabt, und das Verbot der Vielweiberei sei vor 900 Jahren von Rabbinen ausgegangen, die dabei in keiner Weise von dem Christentum beeinflußt sein konnten. Die moderne Frauenbewegung könne in Bibel und Talmud keinen Anhalt finden, da in den heiligen Schritten der Frau der Beruf als Gattin und Mutter als höchstes Ideal gilt, wenn auch, wie aus den angeführten Beispielen einzelner hervorragender Frauen hervorgeht, ihr öffentliches Wirken keineswegs ausgeschlossen und ihre künftige Aufgabe so hochgestellt erscheint, daß der Talmud sogar die messianischen Hoffnungen mit den Verdiensten edler Frauen in Verbindung bringt. Die höchste Aufgabe der Frau, ihre Wirksamkeit als Erzieherin der Kinder, macht sie zur besten Mitarbeiterin des Central-Vereins, der seine Ziele nur erreichen kann, wenn durch treffliche Mütter die jüdische Jugend zur Glaubenstreue, zur Selbstzucht, zum Selbstbewußtsein und zu Kämpfern für Wahrheit und Recht erzogen wird. — Lebhafter Beifall wurde dem Vortragenden gezollt, dem in Vertretung des Vorsitzenden der Ortsgruppe Herr Dr. G. Joachim mit herzlichen Worten für seine Ausführungen dankte. Im Verlaufe der Debatte, an der sich die Herren Patentanwalt Neumann, Dr. Joachim, Dr. Bleichrode und Sanitätsrat Dr. Wiesenthal beteiligten, drückte letzterer dem Vortragenden den Dank des Centralvereins-Vorstandes aus und betonte ferner die Notwendigkeit, stets auf der Warte zu sein, um unsere vielfach bedrohten Rechte zu wahren. Die am 29. April d. I. im Saale des Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde abgehaltsne Versammlung der Berliner Centr al-Vereins-Gruppe SW. wurde von Herrn JusUzrat Dr. Max Gurtsmannmit einer Ansprache eingeleitet, in der er darauf hinwies, daß die Behauptung einer starken

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