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Im deutschen Reich · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. 365

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
[Ohne Titel]
Date
1907-06-01
Page
365 (sequence 2)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 3f>5 Judentum der Frau nur eine minderwertige Bedeutung beigelegt habe, und die in dieser Beziehung auch in jüdischen Kreisen eingetretene Wandlung lediglich dem Einfluß der christlichen Kultur zuzuschreiben sei. Er wies darauf hin, daß selbst solche christlichen Schriftsteller, denen judenfeindliche Gesinnungen fernliegen, vom Banne dieses Vorurteils befangen gewesen seien, obgleich, in den Quellen des Judentums, Bibel und Talmud, an unzähligen Stellen der Frau keine dienende, sondern eine mit dem Manne gleichberechtigte, mitunter sogar eine dominierende Stellung eingeräuwt ist. Dafür gibt auch die Sprache, die stets das Seelenleben eines Volkes widerspiegelt, das beste Zeugnis. Die hebräische Sprache hat für das Wort „Frau" nur eine mit dem deutschen Worte „Männin" gleichlautende Bezeichnung: die Gattin des Patriarchen Abraham trägt den Namen Sarah, „Fürstin", und ihr Rat wird nach den Worten der Bibel als von Gott dem Abraham zur genauen Befolgung angewiesen, bezeichnet. Auch die Frau des Patriarchen Isaak, Rebecka, ist die Ratgeberin, deren Wille schließlich maßgebend ist. Der große Gesetzgeber Moses findet es ganz in der Ordnung, daß die jugendlichen Töchter Zelophchots ihr Erbrecht standhaft verteidigen. Bei der Empörung des Korah bringt nach einer Version des Talmuds der schlechte Rat einer Frau ihrem Manne Verderben und rettet die Klugheit einer anderen Frau ihrem Manne das Leben. Im Pentateuch wird Mirjam ihren Brüdern Moses und Aron gleichgestellt; im Buch der Richter erscheinen Deborah, im Buche der Könige Athalia als Leiterinen des ganzen Volkes, und in späterer Zeit nimmt eine Fürstin aus dem Hasmonäer - Geschlechte, Salome Alexandra, die gleiche Stellung ein. Als weitere Beweise führt der Vortragende die innige Frauenverehrung an, die in poetischer Verklärung im Hohenlieds zum Ausdruck gelangt, sowie die jüdische Eheschließungsformel: „Sei mir geheiligt!", und die im talwudischen Ehevertrag enthaltene Zusicherung: „Ich will Dir dienen!" In den vielen Stellen der Sprüche Salomonis und Kohelet, die sich mit dem Wesen der Frau beschäftigen, stellt sich diese je nach ihrer Führung als der Ursprung höchsten Glückes oder tiefsten Leides dar. Wenn trotzdem in dem jüdischen Gebetbuche der Mann Gott dafür dankt, daß er ihn nicht als Frau geboren werden ließ, sei dies dadurch zu erklären, daß der Frau mit Rücksicht auf ihre vielen häuslichen Pflichten nicht die Befolgung

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