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Im deutschen Reich · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. 359

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-06-01
Page
359 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 359 weitere Zersplitterung der Reformpartei, die sich nicht bemänteln läßt und in der Hauptsache darauf zurückzuführen ist, daß ihr die Agrarier in Hessen und Thüringen den Boden abgegraben haben und in Sachsen Konservative und Na- Lionalliberale überall, wo die Sozialdemokraten nicht ganz fest im Sattel sitzen, die radikalen Antisemiten verdrängen. Das Ergebnis der am 26. April im sächsischen Wahlkreise Glauchau-Meerane stattgefundenen Reichstagsersatzwahl hat gezeigt, daß ein Zusammengehen der Nationalliberalen mit den von Oswald Zimmermann geleiteten antisemitischen Reformern die Sozialdemokraten eher fördert als schädigt. Am 26. April siegte der Sozialdemokrat Molkenbuhr in dem gedachten Reichstagswahlkreise mit 17165 Stimmen über den Nationalliberalen Dr. Clauß, der es nur auf 12710 Stimmen brachte. Dies ist deshalb besonders bemerkenswert, weil das Mandat sich bisher in den Händen des kürzlich verstorbenen sozialdemokratischen Parteisekretärs, Abgeordneten Ignaz Auer befand, der als einer der tüchtigsten Parteimänner galt und auf den dennoch nur 16 675 Stimmen bei der letzten Reichstagswahl gefallen sind, bei der auch der damalige nationalliberale Reichstags-Kandidat 746 Stimmen mehr als jetzt Dr. Clauß erhalten hat. Derartige Erfahrungen werden vielleicht auch die sächsischen Nationalliberalen belehren, daß eine liberale Partei allen Grund hat, sich vor einem Zusammengehen mit Antisemiten zu hüten. Nur im Drange der Verhältnisse ist die konservativliberale Paarung zustande gekommen, und die Kluft zwischen den ungleichen Verbündeten ist nur so notdürftig überbrückt, daß der schwankende Steg kein energisches Auftreten rätlich erscheinen läßt. Das beweisen nicht nur die immer wieder auftauchenden Gerüchte von einer Kanzlerkrisis, sondern auch die von tiefer Mißstimmung zeugenden Aeußerungen konservativer Organe über Sonderrechte der Krone, für die verfassungsmäßig die Minister nicht verantwortlich sind. Die „Deutsche Tageszeitung" erklärte zwar, die Verleihung der erblichen Freiherrnwürde an den dem Judentum treugebliebenen österreichisch-ungarischen Generalkonsul Maximilian Benedikt v. Goldschmidt-Rothschild aus Frankfurt a. M. keiner Kritik unterziehen zu wollen, bemerkte aber, daß diese Verleihung kurz nachdem Zweien

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