Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 358 (sequence 5)
- Language
- German
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858 IM deutschen Reich. der unverschämte, der Antisemitismus der Gasse; die deutschsoziale Partei wirkt mit ihren zahlreichen Trabanten als Anhängsel des kapitalkräftigen Bundes der Landwirte bedrohlicher als die antisemitische Reformpartei. Die Führer des Bandes der Landwirte wissen ganz genau, was bei der durch das Zusammengehen des Zentrums mit den Sozialdemokraten zur Notwendigkeit gewordenen ^konservativ-liberalen Paarung^ für sie auf dem Lviele steht: daß nämlich trotz der entschiedenen Erklärungen der Herren v. Oldenburg-Januschau, Graf Kanitz usw. die Reichsregierung sich auf die Dauer schwer jenen berechtigten Forderungen wird verschließen können, die nur von mittelalterlichem Wahn befangene Menschen als unberechtigt bezeichnen werden. Deshalb setzen diese jetzt alle Hebel in Bewegung^und scheuen kein Geldopfer, um für ihre Sache Stimmung zu machen. So sollen der Bund der Landwirte 80 000 Mk. und eine Vereinigung hessischer Landwirte 70 000 Mk. zur Verfügung gestellt haben, um die in Friedberg erscheinende antisemitisch-agrarische ^Deutsche Volksmacht^ in ein täglich erscheinendes Organ des Bundes der Landwirte umzuwandeln. Außerdem sind noch Verhandlungen mit dem Verleger der „Gießener Neuesten Nachrichten" wegen Ankaufs dieses Blattes gepflogen worden. Die Abgg. Hir,chel, Liebermann von Sonnenberg, W. Schack u. a. m. sind dabei rastlos tätig und fahren dabei offenbar besser als die Reformer, die sich zu solchen Knappendiensten nicht hergeben und auf eigne Hand den Antisemitismus betreiben wollen. In einer Berliner Versammlung des ^Deutschen Mittelstandsbundes", in der kürzlich der Vorsitzende, der Abg. W. Bruhn den Jahresbericht erstattete, wurde in diesem Bericht behauptet, die Reformpartei sei als solche gefestigt und gekräftigt aus dem Wahlkampf hervorgegangen und im Reichstage ein beachtenswerter Faktor geworden. Im Verlauf der Verhandlungen wurde aber der dieser Behauptung widersprechende Beschluß einer Teilung gefaßt, indem der alte „Deutsche Antisemitenöund^ wieder unter dem Vorsitz von Holtz als selbständige Organisation für Berlin errichtet wurde, für die Tätigkeit in der Provinz aber der „Deutsche Mittelstandsbund" Erhalten blieb, zu dessen erstem Vorsitzenden der Abg. Bruhn gewählt wurde. Das ist eine