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Im deutschen Reich · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. 357

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-06-01
Page
357 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 857 uns vor allem bewußt, daß wir Schwierigkeiten um so eher und um so sicherer überwinden werden, je mehr wir eine ruhigere, stetige, sachliche auswärtige Politik treiben, und je mehr wir uns entschlossen zeigen, unseren Frieden, unsere Ehre, unsere Weltstellung durch Sammlung aller Kräfte im Innern zu wahren, und wenn es not Lut, einmütig ZU verteidigen." Eines solchen Appells bedurfte es kaum, um die befsergeschulten Politiker der konservativen Partei und der deutschsozialen Antisemiten Zu veranlassen, ihr antisemitisches Programm einstweilen in die Tasche Zu stecken, um nicht in bezug auf den Patriotismus als unsichere Kantonisten zu gelten. Das haben z.B. die beiden deutsch-sozialen Adjutanten Liebermann von Sonnenbergs, die Abg. Sattmann nnb ©dja<fr schon vorher auf ihren Agitationsreisen getan, und insbesondere hat der letztere seinen großen Einfluß auf den deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband dahin geltend gemacht, daß die einzelnen Gruppen dieses Verbandes neuerdings bei jeder Gelegenheit mit Pathos betonen, ihre Stellung zur Judenfrage habe mit dem Partei-Antisemitismus nichts zu tun. Ueber eine solche ausdrückliche Erklärung der Offenbacher Ortsgruppe des ervähnten Verbandes wird an anderer Stelle des Heftes Näheres berichtet. Was von solchen Versicherungen zu halten ist, bedarf keiner Erörterung. In einer in Norden abgehaltenen Verammlung hat am 29. April der Amtsgerichtsrat Lattmann einen Vortrag über Wirischafts- und Sozialpolitik gehalten, in dem er die Judenfrage nur flüchtig streifte und sagte: „Man nennt von gegnerischer Seite die Deutschsozialen gern die Antisemiten. Dabei sind sie aber vollkommen Gegner des „Rassen- und Klassenhasses". Der Gegner nennt sie deshalb so, weil die Antisemiten in der Vergangenheit und zum Teil auch noch in der Gegenwart mit verwerflichen Mitteln gekämpft haben bezw. kämpfen. Ein solcher Radauantisemitismus ist sittlich verwerslich. Ein Jude, der ernstlich an seinen Gott glaubt, steht sittlich höher als ein Christ, der nicht an Gott glaubt. Aber damit wird die Frage nicht gelöst, ob der Einfluß des Judentums gut zu heißen ist. Die Deutschsozialen verneinen diese Frage und bekämpfen mit Ruhe und Ernst diesen Einfluß." Das klingt nicht übel, aber es steht doch schief darum; um ihr Parteiprogramm kommen sie nicht herum. Der verschämte Antisemitismus ist für die deutschen Juden weit gefährlicher als

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