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Im deutschen Reich · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. 356

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-06-01
Page
356 (sequence 3)
Language
German
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356 Im deutschen Reich Verwaltungen und die politischen Parteien dürften ganz von selbst mit ihnen rechnen, und durch Heranziehung von Juden zu städtischen Aemtern, zu Schöffen und Geschworenen, zu Mitgliedern politischer Ausschüsse usw. sich dieser nützlichen Hilfskräfte versichern. Diese werden den Behörden die Möglichkeit bieten, den für die Mittelstädte und kleinen Städte unheilvollen Wegzug der Juden nach den Großstädten zu verhüten, der die besten Steuerzahler und intelligente und arbeitsfreudige Kräfte dort entzieht, wo wahrlich kein Ueberfluß daran vorhanden ist, und sie den Großstädten zuführt, wo daran kein Mangel ist. Wird sich der Einfluß der Ortsgruppen derartig geltend machen, dann werden wir uns auch mit Hilfe der lokalen Organisationen direkt mit den politischen lokalen Ausschüssen verständigen können die bei der letzten Wahl sich vielfach um die Parteiparole nicht gekümmert haben, vielleicht nicht kümmern wollten — oder konnten! Diese Verständigung kann bessere Erfolge Zeitigen als die mit Parteileitungen, die keine straffe Disziplin ermöglichen können. Wir weroen auf der Wacht stehen und sind überzeugt davon, daß unsere Freunde uns weiter durch jene Mittel unterstützen, die im Kampfe unentbehrlicher sind, als eine noch so wohlgemeinte Kritik. Man soll vom Feinde lernen, nicht nur von guten Freunden. Deshalb konnten wir es auch nicht unbeachtet lassen, daß, abgesehen von den Großsprechereien der konservativen Abgeordneten von Oldenburg - Januschau und Kreth und der weit weniger einflußreichen antisemitischen Reformer Vruhnund Zimmermann, sich während der jetzigen Tagung des deutschen Reichstages und auch des preußischen Abgeordnetenhauses selbst erbitterte Judenfeinde innerhalb und auch außerhalb der Parlamente einer auffallenden Zurückhaltung befleißigten. Sicherlich ist dies nicht infolge einer Bekehrung zu menschenfreundlichen Grundsätzen, sondern aus Nützlichkeitsgründen geschehen. Auch auf diese Kreise mögen die Worte Eindruck gemacht haben, mit denen Fürst Bulow im deutschen Reichstage am 30. April seine hochpolitischen Darlegungen schloß: „Von Feindschaften anderer untereinander können wir nicht leben. Lassen wir anderen die Bewegungsfreiheit, die wir für uns selbst in Anspruch nehmen, und bleiben wir

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