Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 355 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 3L5 Arbeiter in Stadt und Land, des allgemeinen Wahlrechts für alle Wahlen im Reiche wie ii. den einzelnen Bundesstaaten. Das ist der große Gesichtspunkt, daß es heute keinen Untertanen, ganz gleichgültig auf welchem Gebiete, sondern nur völlig gleichberechtigte Bürger, welche sich verantwortlich zu fühlen haben für die Geschicke ihres Landes, geben soll." — Das ist jedenfalls der Standpunkt, auf den auch wir uns stellen müssen, und gerade deshalb ist es rätlich. Zunächst nur mit allen solchen Forderungen heroorzutreten, die die allgemeine Gleichberechtigung betreffen, und eine Verwaltungspraxis herbeizuführen, die die großen Gesichtspunkte der Humanität in vollem Maße berücksichtigt. Der Führer der Freisinnigen im Herzogtum Anhalt, Rechtanwalt Dr. Cohn, hat kürzlich in der „Allg. Ztg. des Judentums" ernstlich»vor der Gründung eines jüdischen Zentrums gewarnt und erklärt, daß diejenigen, die der Bildung einer Judenp artei das Wort geredet haben, leichtsinnig mit dem Feuer spielen. Aehnlich verhält es sich auch mit andern, die uns beständig dazu bringen wollen, befreundete politische Parteien dringend zu veranlassen, unsere Forderungen gerade jetzt geltend zu machen, oder mit diesen selbst heroorzutreten. Diese Ratgeber sollten wissen, daß wir unserer Verantwortung voll bewußt, mit Ratschägen weit reichlicher versehen sind als mit den Mitteln, unfern Einfluß erfolgreich geltend zu machen. Solche Mittel sind uns bisher aber fast ausschließlich nur von Freunden zugeflossen, die unserer Beurteilung der politischen Verhältnisse unbedingtes Ver- . trauen zollen. Die Auflösung des vorigen Reichstages kam allen und auch uns unvermutet; unsere Organisation war erst im Werden, unser Wahlfonds nur mäßig gefüllt. Daß wir mit dem jetzigen Reichstage, der unter den für die Juden ungünstigsten Verhältnissen gewählt wurde, nicht viel anfangen können, liegt auf der Hand. Die Entwicklung der Reichspolitik ist schwer vorauszusehen; uw so dringlicher ist es unsre Pflicht und die derer, die es mit unserer Sache gut meinen, uns bei der Organisation des Central-Vereins zu helfen. Wo organisierte Ortsgruppen des Vereins bestehen, wird sich ihr Nutzen bald erweisen; sie werden sich bei politischen und kommunalen Wahlen Einfluß verschaffen; die städtischen