Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 354 (sequence 1)
- Language
- German
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354 IM deutschen Reich. Umfchan. |p|et Reichstag ist in die Ferien gegangen. Mit der verstoffenen ersten Tagung wird die Reichsregierung zufrieden sein, denn ihr hat der „Block" nahezu alles, was sie verlangte, gewahrt, ohne erhebliche Gegenforderungen zu stellen. In der Erwartung, im Herbst zu ernten, was im Frühjahr gesät wurde, haben die Liberalen alles vermieden, was den „Block" sprengen konnte, der eine Friedensarbeit von großer Bedeutung ermöglichen sollte. Man hat deshalb den liberalen Parteien Vorwürfe darüber gemacht, daß sie nicht in der ersten Session Jnitiativ- Anträge stellten, die die Judenfrage betrafen. Es darf angenommen werden, daß dies nur aus taktischen Gründen unterblieben ist, denn Zweifellos wären solche Anträge geeignet gewesen, die konservativ-liberale Paarung zu sprengen. Wenn die Liberalen aber aus dieser Verbindung einen Vorteil auch für die von ihnen vertretenen Politik erwarten, so dürfen sie nicht von vornherein die Punkte hervortreten laffen, die das Unharmonische dieser Verbindung kennzeichnen; es würde auch den Eindruck machen, als ob sie sofort die Quittung für ihr Verhalten bei den Wahlen und ihre Abstimmungen in den Kolonialfragen präsentierten. Sie glauben mit diesen Jnitiativ-Anträgen noch einige Zeit warten zu sollen. Hält sich der Block, so ist desto mehr Hoffnung auf Entgegenkommen der Konservativen und der Regierung gegeben. Di; liberalen Parteien dürfen und werden deshalb auf berechtigte Forderungen nicht verzichten; sie sind sich dessen bewußt, daß sie sich nur in den Fragen, die das Ansehen und die Wehrfestigkeit des deutschen Vaterlandes betreffen, den Konservativen zugesellen durften. Insbesondere hat sich der mecklenburgische Politiker Dr. F. C. Witte in diesem Sinne geäußert und hinzugesügt: „Es sind ondere Fragen, welche uns dauernd scheiden von dem ganzen reaktionären Getriebe. Das sind die großen Gesichtspunkte der Humanität, der Gleichberechtigung aller Klassen und Erwerbsgruppen, der Koalitionsfreiheit der