Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Die Zurücksetzung der jüdischen Lehrkräfte in Breslau
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 347 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Zurücksetzung der jüdischen Lehrkräfte in Breslau. 347 nicht de jure; wie weit das der Fall ist, weiß ich nicht. Ich sage, schon in Thorn wäre es denkbar gewesen, jüdische Lehrer anzustellen, weil wir die Simultanschule hatten, aber hier nicht, da wir nur katholische und evangelische Schulen haben. Wir können nicht einen katholischen Lehrer an" einer evangelischen Schule anstellen und umgekehrt, und wenn Sie das hier Vorbringen, dann können Sie nichts erreichen, als daß man aus jüdische Volksschulen hindrängt. Wenn Sie das wollen, das können Sie haben. Sie können sich beschweren über den Mangel an Simultanschulen, aber wir können das nicht ändern! Wenn Sie damit vorgehen würden, so würden Sie sich lächerlich machen, und es würde Ihnen auch nichts Helsen, sondern wie ich vermute, eher schaden. Bezüglich der höheren Schulen kann ich nur sagen, es hat großer Korrespondenzen bedurft, um einen katholischen Lehrer an einer höheren Mädchenschule anzustellen, weil uns entgegengehalten wurde, das sind statutarisch oder herkömmlich evangelische Schulen. Wir leben doch in und unter den tatsächlichen Verhältnissen. Wir können den Versuch machen, einen jüdischen Lehrer anzustellen, aber ich vermute, es wird glatt abgelehnt. Wenn Sie nun sagen, die Augustaschule wird fast zur Hälfte von jüdischen Schülerinnen besucht, nun, so wird die K msequenz sein, eine jüdische höhere Töchterschule zu gründen. Glauben Sie, daß es uns heute gelingen wird, wie bei dem Johannes-Gymnasium eine interkonfessionelle höhere Schule in Breslau ins Leben zu rufen? (Zuruf Ollendorff: Ja!) Herr Justizrat Ollendorff hat einen starken Glauben (Heiterkeit), ich lasse ihm den. Ich glaube es nicht, und ich fange nicht gern Sachen an, die ich nicht zum Ziele führen kann. Ich gestehe ganz offen, daß die Schwierigkeit, diese Sache zu ordnen, ein Unglück für uns ist. Andererseits stehe ich aus dem Standpunkte, daß für höhere Schulen die Simultanschule die bessere ist; sie ist nicht so eng und einseitig, wie wir das auch beim Johannes- Gymnasium beobachten. Jedenfalls stimmt meine Ansicht mit der des Herrn Dr. Reich überein, daß wir keine Ursache haben, die Erfahrungen beim Johannes-Gymnasium zu beklagen. Aber das ist vor 30 Jahren geschehen, da sollte eine neue Knabenschule gegründet werden, und es wurde gesagt ^entweder so, oder wir gründen sie garnicht!" Wenn wir ein neues Gymnasium gründen wollten, könnten wir darüber reden. Dann würden wir sagen: „Wir sind nicht verpflichtet, die Schule zu gründen.