Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Die Zurücksetzung der jüdischen Lehrkräfte in Breslau
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 346 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316760-2338387--16480-2338469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
346 Im deutschen Reich. alle Volksschulen sind evangelisch oder katholisch! Wenn die Herren jüdische Volksschulen haben wollen; ich glaube der Herr Stadtverordnete Nitschke wird Sie unterstützen (Zwischenruf: Der fehlt uns gerade noch!) (Heiterkeit.) M. H., ich spreche über eine sehr ernste Sache, da ist nichts zu lachen, dann stellen Sie den Antrag, daß wir jüdische Volksschulen einrichten; Sie werden unzweifelhaft den Beifall der Regierung finden, wenn wir da jüdische Lehrer anstellen. Das ist aber die Konsequenz Ich stehe auf dem Standpunkte, daß ich es den Herren gar nicht verdenke, wenn sie den jetzigen Zustand beklagen, weil sie alle Anhänger der Simultanschule sind in dem Sinne, wie Herr Dr. Reich ausgeführt hat, weil sie sich mit Recht sagen, eigentlich soll die Anzahl der anzustellenden Lehrerinnen in einer Gemeinde wo die jüdischen Bürger mit bei der Steuerleistung beteiligt sind, einigermaßen der Anzahl der jüdischen Schüler entsprechen. Dieser Wunsch ist subjektiv begründet von Ihrem Standpunkte aas. Wenn Sie diesen Wunsch aber hier Vorbringen, dann muß ich doch fragen: Glauben Sie denn, daß es in unserer Macht liegt, diesen Wunsch zu verwirklichen? (Zwischenruf: Ja!) In den höheren Schulen ja!, wir sprechen jetzt von den Volksschulen (Zwischenruf Ollendorff: Auch da glaube ich es!) Ich spreche von den Volksschulen, und da stelle ich fest, daß wir nur evangelische und katholische Schulen haben. Wir können einen katholischen Lehrer nicht an einer evangelischen und einen evangelischen nicht an einer katholischen Schule anstellen! Das dürfen wir nicht! Ob das gut oder schlecht ist, ob das uns gefällt oder nicht, das laffe ich dahingestellt, aber es ist der Rechtszustand! Nun stehe ich au dem Standpunkte, wenn Sie solche Sachen Vorbringen in unserm kleinen Rahmen — ich würde)sie anders behandeln, wenn man sie im Landtage vorbrächte — aber wenn Sie das in der Stadtverordnetenversammlung zu Breslau Vorbringen, dann meine ich, daß Sie das Vorbringen, um sirgend (/einen Zweck zu erreichen. Wollen Sie, daß wir das Unmög!iche(möglich machen, daß wir, wo wir observanzmäßig nur katholische und evangelische Volksschulen haben, jüdische Lehrer anstellen, dann muß auch noch das Recht der — (Unruhe, Zuruf: Berlin) ich lehne es ab, auf andere Städte zu exemplifizieren! Wir haben konfessionelle, Berlinsat mterkonfessionelleMchulen, hat ursprünglich Simultanschulen gehabt und erst, als die Zahl der Katholiken sich mehrte, hat es katholische Schulen eingerichtet, hat sie also de facto,