Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Die Zurücksetzung der jüdischen Lehrkräfte in Breslau
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 338 (sequence 2)
- Language
- German
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338 Im deutschen Reich wesen die Verhältnisse bisher noch weit ungünstiger lagen als in Berlin und manchen andern preußischen Großstädten. Noch bemerkenswerter aber ist, daß der von mehreren jüdischen Stadtverordneten in Breslau am 11. April d. I. unternommene dankenswerte Versuch, eine Besserung dieser Verhältnisse herbeizusühren, von den freisinnigen Parteigenossen nicht sofort die Unterstützung gefunden hat, die er verdiente. Der Tropfen höhlt aber den Stein, und bei einiger Zähigkeit wird zweifellos der freisinnige Teil der Breslauer Stadtverordnetenschaft dazu zu bringen sein, es durchzusetzen, daß in dem Schulwesen der schlesischen Hauptstadt die Verhältnisse sich mindestens ebenso günstig wie in Berlin gestalten, zumal auch diese Verhältnisse noch viel zu wünschen übrig lassen. Zu dieser Hoffnung berechtigt die Tatsache, daß bald nach der erwähnten Anregung mehrerer Breslauer jüdischen Stadtverordneten ihr Wortführer, Justizrat Ollendorf, von der Stadtverordneten-Versammlung in die Schuldeputation gewählt wurde, der bisher kein einziges jüdisches Mitglied angehört hat. Der Wahlausschuß, der Herrn Justizrat Ollendorf zur Wahl vorgefchlagen har, dürste offenbar dabei von der Absicht geleitet worden sein, ihm Gelegenheit zu geben, das fortzusetzen, was vor seiner einstimmig erfolgten Wahl das judenfeindliche „Schlesische Morgenblatt" als einen Angriff auf die konfessionellen Schulen bezeichnet hatte. Mit Rücksicht darauf, daß der Verlauf der Breslauer StadLverordneten-Sitzung vom L April d. I. voraussichtlich zu einer weiteren Bekämpfung der Zurücksetzung der jüdischen Lehrkräfte im Schulwesen anregen wird, geben wir hier den Hauptinhalt der in jener Sitzung gehaltenen wichtigsten Reden nach einer stenographischen Niederschrift wieder: Stadtverordneter Justizrat Ollendorsf: Die Frage der Anstellung und Beschäftigung jüdischer Lehrpersonen an den hiesigen Schulen ist von hoher Bedeutung für die Schulverwaltung unserer Stadt. Sämtliche Gememdeschulen in Breslau werden von einer größeren Anzahl jüdischer Schüler und Schülerinnen besucht. Bei den Gymnasien, ebenso bei den höhern Töchterschulen, und auch bei den Mittelschulen ist der Prozentsatz jüdischer Schüler erheblich. Nach dem Bericht von 1905 waren 333 Knaben und 113 Mädchen, also etwa 500 jüdische Kinder an den hiesigen Volksschulen. Angesichts dieses Umstandes ist es von Bedeutung, ob nicht