Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Bemerkungen zur Kriminalstatistik
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 334 (sequence 4)
- Language
- German
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334 Zrrr deutschen Reich. ein Beispiel: von 10 000 Eiden werden 2000 von Inden geleistet, 100 find Meineide, darunter 20 von Juden geleistet; hier sind 20 v. H. der Meineide von Juden geleistet, die nur 1 v. H. der Bevölkerung ausmachen, ihre Kriminalität erscheint daher ungeheuerlich; aber unter den von Juden geleisteten Eiden sind nur 1 v. H. (20 unter 2000) Meineide, genau wie bei der Bevölkerung im allgemeinen (100 unter 10 000); die Kriminalität, die nach der jetzigen Methode der Kriminalstatistik so ungünstig erscheint, ist in Wirklichkeit völlig normal. Während die Antisemiten aus der uw ein geringes zu hohen Meineidszahl den Schluß auf eine übermäßige Neigung der Juden zur Leistung von Meineiden zu ziehen für erlaubt halten, ist andererseits allgemein, auch außerhalb jüdischer Kreise, bekannt, mit welcher Sorgfalt und Scheu Juden bei Eidesleistungen verfahren, und wie viele jüdische Parteien lieber den Prozeß verlieren, als den Gewinn mit einem Eide sich verschaffen wollen. Zwischen dieser Auffassung und den Ergebnissen einer richtigen Kriminalstatist k würde sich ohne Zweifel kein Widerspruch zeigen, und es muß der Wunsch ausgesprochen werden, daß das Reichsjustizamt sich entschließen möge, wenigstens für einige Teile des Reiches Erhebungen über die Zahl der von Juden und Christen geleisteten Eide zu veranlassen. So steht es auch mit den Konkursvergehen; wie oft ihr Voraussetzung, der Konkurs, bei Juden und bei Christen gegeber ist, läßt sich ohne unüberwindliche Mühe feststellen. Der Konkurs ist bei uns zwar nicht rechtlich, aber doch tatsächlich im wesentlichen an die Kaufmannseigenschaft geknüpft; der große Anteil der Juden am Kausmannsstande würde auch eine hohe Beteiligung bei Konkursen und Konkursvergehen rechtfertigen. So nahe solche Erwägungen liegen, so hat doch ein Schriftsteller, wie Johannes Gaulke, der als Mitarbeiter liberaler Zeitungen sich vermutlich selbst für einen sehr aufgeklärten Mann hält, sich nicht hindern lassen, in einem Aufsatze, den er vor einiger Zeit in der Gegenwart veröffentlichte, an ihnen vorüberzugehen und, seiner „Objektivität^ sich rühmend, den Juden ihre zu große Beteiligung bei Konkurs- und ähnlichen Vergehen vorzuwerfen. Die Kriminalstatistik hat einen weiteren Mangel von all gemeinerer Bedeutung. Sie ergreift nur die durch Urteil fest gestellten, nicht die wirklich begangenen Straftaten. Der Unter-