Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 323 (sequence 18)
- Language
- German
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BereinsnachrichLen. Appell cm die Anwesenden, auf die Werbung neuer Mitglieder bedacht Zu sein, wurde die Versammlung nach einem kurzen Schlußworte des Vortragenden geschlossen. Am 17. April hielt unter Leitung des Herrn Zahnarztes M. Lipschitz die Berliner Gruppe 0. des Central-Vereins eine Versammlung ab, in der Herr Dr. Ludwig Cohn „die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Juden seit dem deutschen FrühmitLelalter" in einem interessanten einstündigen Vortrage behandelte. Der Redner schilderte die erfreulichen Verhältnisse, in welchen sich die Juden in Deutschland bis zu den Kreuzzügen befanden, und wie diese Stellung siä durch den wachsenden religiösen Fanatismus nach und nach verschlechterte. Bei den beständigen Kämpfen zwischen den Kaisern und den Päpsten kam es zu einer vollständigen Entrechtung und Entwürdigung der Juden, die rechtlich als ein Eigentum des Kaisers betrachtet wurden, und bei der Ohnmacht und Armut der Kaiser aus Schützlingen derselben zu „Kawrnerknechten" und schließlich zu einem Handelsobjekt herabsanken. In ergreifenden Worten erinnerte dann der Redner an das maßlose Unglück der Juden, die man, als im 14. Jahrhundert eine dr.eijäyrlge schreckliche Pest Tausende dahinraffte, vielfach als Brunnenvergifter ermordete oder vertrieb. Das elende Leben, welches die geretteten Juden, in dumpfige enge Gassen eingepfercht und von Ghettomauern umringt, führen mußten, war allen deutschen Juden Jahrhunderte hindmch beschieden, bis die durch die Entdeckung Amerikas und den amerikanischen Freiheitskrieg auch in Europa verbreitete Aufklärung durch die halbgeöffneten Pforten der Ghetti wieder Licht und Leben brachte. In diese Pforten hinein habe Moses Mendessohn den Segen deutscher Sprache und deutscher Bildung sür seine Glaubensgenossen getragen. Wenn auch unter seinen Schülern die Strahlen der Aufklärung manche Juden auf Irrwege geleitet hätten, sei doch von da ab der Weg zur Freiheit mehr und mehr geebnet und die Möglichkeit geschaffen worden, den deutschen Juden volle Menschenrechte und die bürgerliche Gleichstellung zu erringen. Roch werde die durch Verfassung und Gesetz verbriefte Gleichstellung vielfach beeinträchtigt: das, was die deutschen Juden erlebt und erlitten, mache es ihnen umsomehr zur Pflicht,