Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 322 (sequence 17)
- Language
- German
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812 Iw deutschen Reich. gegen strenggläubige Rabbiner verleitet worden, daß er auch dabei zu schieben glaubte, während er in Wirklichkeit von einigen „Hausvätern^ geschoben wurde, läßt sich daraus schließen, daß Schleierwacher, der ihn genau kannte, von ihm sagte: „Der Jude wird niemals Christ!"" Während Professor Dr. Gans und alle andern Mitglieder des 1820 begründeten und von Friedländer protegierten „Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden"", mit Ausnahme von Leopold Zunz, sich später zum Christentum bekehrten, ist David Friedländer Jude geblieben. Daß seine Kinder sich taufen ließen, wird ihm vielleicht so wenig anzurechnen sein, wie man Aehnliches Moses Mendelssohn als Schuld angerechnet hat. Ihn trifft dagegen vor allem die Schuld, daß er, geblendet durch die ins dunkle Ghetto eingebrochenen Strahlen der Aufklärung, vorübergehend den rechten Weg verfehlte. Wir aber sehen in einer vorgeschrittenen Zeit als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens unsere Ziele völlig klar vor Augen und sollen den von Zacharias Frankel uns vorgezeichneten rechten Weg gehen. In seinem Sinne erstreben wir die Hebung des Judentums durch Verbreitung der Wissenschaft oes Judentums und durch den Zusammenschluß aller deutschen Juden im Central-Verein. DieAusführungen desRedners wurden beifällig ausgenommen, )och gab Herr Georg Neumann seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß man gerade im Central-Verein das Wirken eines Mannes in Erinnerung bringe, der nicht als ein mustergültiger Vorkämpfer für das Judentum erscheinen könne. Der Vorsitzende widerlegte diese Anschauung, indem er hervorhob, daß es sich bei David Friedländer doch um eine historisch interessant Persönlichkeit handle, die unbestrittene Verdienste um das Judentum habe, betonte freilich auch, daß seine Stellungnahme zur Frage der Taufe ihn hinter einen Gabriel Riesser weit zurücktreten lasse. Dabei führte der Vorsitzende unter lebhaftem Beifall der Versammlung aus, daß man mit Entschiedenheit den Neigungen zurr Abfall entgegentreten müsse; Friedländer müsse man aber aus dem Gesichtswinkel seiner Zeit heraus beurteilen. Im Anschluß daran machte der Vorsitzende einige geschäftliche Mitteilungen, und erwähnte unter anderem die Tatsache, daß die Mitgliederzahl des Vereins in den letzten Wochen wieder einen erfreulichen Aufschwung genommen habe, Berlin selbst aber an diesem Zuwachs nur sehr wenig beteiligt sei. Mit einem warmen