Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 313 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316759-2338257--16399-2338341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 308 jüdischen Glaubens in vielen jüdischen Gemeinden mit Erfolg beschritten worden ist, indem fast überall, wo angesehene Gemeindemitglieder sich über den Ausschluß von dem Schöffen- und Geschworenendienst bei Mitgliedern des unabhängigen Ausschusses direkt beschwert oder die Vermittelung des Landesjustizverwaltungen Zu erlangen gesucht haben, der Miß- Üand beseitigt worden ist. Dies ist im vorigen Jahre sogar im Königreich Sachsen der Fall gewesen; über eine ganze Reihe ähnlicher Fälle ist in dieser Zeitschrift wiederholt berichtet worden. Der große Ausschuß des Verbandes der Deutschen , )uben tritt am 12. Mai 1907 zusammen. Wesentlicher Gegentand der Beratungen wird die Vorbereitung der diesjährigen Hauptversammlung sein, die voraussichtlich am 6. Oktober 1907 n Frankfurt tagen wird. Von dem vor wenigen Wochen verstorbenen Professor Ernst von Bergmann, der aus den russischen Ostseeprovinzen stammte, berichtete das „Berliner Tageblatt", daß sein Name außer in Berlin wohl nirgend so volkstümlich war, wie unter den Juden Westrußlands. Es war nicht der Ruhm des großen Chirurgen allein, der diese oft bettelarmen, unter den größten Schwierigkeiten bis hierher gelangten Patienten zu ihm führte. Ebenso verbreitet wie der Ruf seines diagnostischen und operativen Könnens war das Vertrauen in das „gute Herz" dieses wundervollen Mannes. Dieses bewährte sich besonders, als Bergmann sich der hierher geflüchteten, schwer verletzten Opfer der russischen Pogrome hilfreich und mit glücklicher Hand annahm. Er wies jegliches Entgelt zurück und antwortete dem „Hilfsverein der deutschen Juden" aus den ihm;um 70. Geburtstage gewidmeten Glückwunsch folgendes: „Getatten Sie mir meinen tief empfundenen Dank für Ihre freundlichen Geburtstagswünsche. Wer wie ich in Rußland geboren md erwachsen ist, weiß, welche Verdienste sich gerade Rußlands jüdische Bevölkerung uw die Verbreitung westlicher Kultur im Zarenreiche erworben hat, ist sie doch bis heute der deutschen, wenn auch im Laufe der Zeit verstümmelten Sprache treu geblieben. Um so qualvoller habe mch ich die Greuel mitempfunden, die an Ihren Glaubensjenoffen von den Reaktionären wie von der Regierung verübt verden. Fallen sie doch zusammen mit der Ungerechtigkeit und Rohheit, mit denen man eben meinen Landsleuten in der alten