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Im deutschen Reich · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. 305

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-05-01
Page
305 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. ^95 schäftlichen Ausbeuter dieser kulturwidrigen Bewegung auf das uralte Ausfrischungsmittel der Ritualmordlüge zurückgreifen, um die stockende Agitation wieder in Fluß zu bringen, so ist dies auch in der diesmaligen Osterzeit versucht worden: zuerst in Suez, wo die zeitweilig erfolglose Suche nach einem verirrten christlichen Knaben einen PöbeLhaufen Zum Sturm auf das Haus eines angesehenen Juden veranlaßt^ die Polizei aber die Unruhen energisch dämpfte, und den vermißten Knaben noch rechtzeirig zur Stelle schaffte. Ebenso erfolgreich war die Polizeibehörde in Beuthen durch Ermittelung eines Verbrechers, der vor Jahr und Tag den dortigen Arbeiter Bronner ermordet und seine Leiche zerstückelt hatte; dadurch vereitelte sie die, der Wiederauffrischung eines Ritualmordmärchens entgegen, das in der vorigen Osterzeit bei dem Verschwinden Bronners bei abergläub schen Leuten schon Glauben gefunden hatte und ohne die Findigkeit der Beuthener Polizei in der jüngsten Osterzeit wieder dem albernen Ammenmärchen Glauben verschafft hätte. Nachdem der Speisewirt Liberka sich als Ulheber des an Bronner verübten Verbrechens und noch anderer Mordtaten bekannt hatte, ist die Unter suchungsbehörLe durch die Aehnlichkeit der Zerlegung der Leiche Bronners mit der des Konitzer Gymnastasten Winter zu Erhebungen darüber veranlaßt worden, ob sich Liberka etwa zur Zeit der Ermordung Winters in Könitz befunden habe. Dieser Kombinarion, die sich fast nur auf die erwähnte Aehnlichkeit der Zerstückelung zu stützen schien, haben wir nur geringes Gewicht bei.^elegt, weil die Herren Mörder seit Jahren reichliche Gelegenheit hatten, aus der in solchen Schilderungen schwelgenden antisemitischen Presse über ähnliche Manipulationen genaue Belehrungen zu schöpfen. Das Verfahren des Beuthener Mörders Liberka ähnelt übrigens dem des leider noch nicht ermittelten Urhebers der Konitzer Untat nicht mehr, als die antisemitische Ausbeutung der letzteren der Polnaer Inszenierung. Bereits am 10. April berichtete die Graudenzer Zeitschrift „Der Gesellige": Der „Central - Verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin teilt in verschiedenen Zeitungen, welche die falsche Meldung vom,Eingreifen" der Oberstaatsanwaltschast in Marienwerder gebracht hatten, mit, daß der Verein nicht die Wiederaufnahme der Untersuchung in der

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