Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 304 (sequence 8)
- Language
- German
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294 Iw deutschen Reich die ResormparLei begründet. Die beiden Spielarten des Antisemitismus erklären sich in Kulturhessen also den Kampf bis aufs Messer. Der deutsch-soziale Amtsrichter Mahr-Darmstadt, der am 17. November 1903 wegen grober Verhöhnung eines Juden aus Großgerau zu einer Geldstrafe verurteilt wurde und im Disziplinarverfahren mit einer Verwarnung davonkarn, scheint dadurch seine Befähigung zum Vorsitzenden des hessischen Landesverbandes der deutsch-sozialen Partei erwiesen zu haben. Als solcher bekämpft er aber jetzt die antisemitischen Reformer und die antisemitischen Bauernbündler in tnr hessischen zweiten Kammer weidlich und er soll außerdem eine systematische Agitation in Baden vorbereiten. Der Zersetzungsprozeß unter den Antisemiten vollzieht sich, trotz aller gegenteiligen Hinweise der „Deutsch-Sozialen Blätter* Liebermanns auf angebliche Erfolge, unaufhaltsam weiter. Dies scheint von den einzelnen Brmdesregierunaen nicht unbeachtet gelassen zu werden. So blieb der annsewitische Vorstoß, den im weimarischen Landtage der Vertreter von Jena-Land, der ultrakonservative Freiherr von Richthofen durch Bekämpfung der Zulassung russischer Studenten zu deutschen Hochschulen unternahm, völlig wirkungslos. Der Staatsminister l)r. Rothe entgegnete ihm, daß der Regierung die Verhältnisse in Jena genau bekannt und diese wohl geregelt seien. Von durch ausländische Studierende hervorgerufenen Mlßständen könne keine Rede sein. Der Staatsmimster schloß seine Rede unter lebhaftem Beifall mit den Worten: „Die ernestinischen Regierungen betrachten es als ihre Aufgabe, die Universität hoch zu halten und das Kleinod zu wahren, das ihnen von der Vergangenheit überliefert wurde/ Auch eine Interpellation desselben Abgeordneten, warum die weimarische Regierung auf eine Beschwerde mehrerer Rabattsparvereine gegen die führende Stellung einzelner Beamten in Konsumvereinen nicht geantwortet habe, reagierte der Minister ebensowenig wie auf die früheren Anträge auf Besteuerung der Warenhäuser und der Reklame. Die „Mittelstandsrerterei* der Antisemiten wird demnach selbst an solchen Stellen richtig gewürdigt, denen man kaum philosemitische Regungen zutrauen darf. Wie jederzeit, wenn der Antisemitismus abflaut, die ge-