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Im deutschen Reich · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. 303

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-05-01
Page
303 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 293 betrug. Aehnlich wird es sich bei allen Akten der privaten Wohltätigkeit verhalten, so daß jeder Unparteiische Grund genug hat, den deutschen Juden einen hervorragenden Gemeinsinn zuzuerkennen. Er wird ihnen, die auf keine ^Liebesgaben" zu rechnen haben und dennoch ste-s bereit sind, solche wirklich Notleidenden zu spenden, eine idealere Gesinnung zuerkennen als jenen, die böswillig oder gedankenlos bei jeder Gelegenheit die völlig unwahre Behauptung austischen, daß die im Alten Testament zuerst gebotene Nächstenliebe nur auf die Stammesgenossen Bezug habe. Das Gegenteil haben die Juden stets bewiesen und beweisen sie noch täglich, weil im Gegensatz zu den Heiden, die alle Fremden als Barbaren mißachteten, das Alte Testament Liebe zum Fremdling einschärste, und weil die Juden durch ihre Religion dazu verpflichtet sind, Gutes zu tun, ohne auf Lohn zu rechnen. Aus solchem Holze werden keine Streber geschnitzt, wohl aber pflichttreue, opferfreudige und vaterlandsliebende Staatsbürger. Diese werden sich zu allen Zeiten als zuverlässigere Stützen der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung erweisen, als jene, die sich brüsten. Thron und Alter gegen den Umsturz zu schützen, den sie selbst wissentlich oder unwissentlich mächtig fördern, denn — Antisemitismus ist Anarchismus. Man hat gesagt, daß man sich auf Bajonette stützen, aber nicht setzen könne; auf Leute, die beständig zum Verfassungsbruch und zur Umgehung des Gesetzes vom 3. Juli 1869 auffordern, werden die Staatsleiter sich nicht einmal stützen können, ohne sich selbst und den Staat zu schädigen. Parteien, die nur durch materielle Interessen oder durch die gemeinsamen schlimmen Instinkte des Neides und Mißtrauens gegen die jüdischen Mitbewerber auf vielen Kulturgebieten zusammengehalten werden, bei jeder Gelegenheit, wo Beute lockt, sich unter einander zerfleischen, sind aber auch zu Säulen eines Kultur- und Rechtsstaats ungeeignet. In einer Versammlung des Landesverbandes der Deutschen Reformpartei für Hessen erklärten sich in Kassel nach einem Vorträge des Abg. Werner fast alle Redner dafür, daß die Deutsch-Sozialen von den Reformern, in allen hessischen Kreisen aufs entschiedenste zu bekämpfen seien. Dagegen hat die deutsch-soziale Gruppe des Abg. Lieberwann von Sonnenberg in Frankfurt a. M. einen Landesverband für Hessen und Frankfurt mit offenbarer Spitze gegen

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