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Im deutschen Reich · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. 283

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Article
Eine Berliner jüdische Familie aus dem 18. Jahrhundert
Date
1907-05-01
Page
283 (sequence 5)
Language
German
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Eine Berliner jüdische Familie aus dem 18. Jahrhundert. 283 zu Dir zu nehmen, denn ich wußte, daß Dein gutes Herz sich auch im Glücke nicht geändert." „Darin sollst Du Dich nicht getäuscht haben, aber nun fort, wir fahren nach meiner Billa; auch meine Frau wird sich freuen, meinen braven Jugendfreund kennen zu lernen." Der arme Landjude konnte vor Staunen nicht sprechen, als er die prachtvolle Villa sah, die kostbaren Säle mit allen Schätzen der Bildhauer- und Malerkunst. Nachdem er dem Freunde und seiner Familie eine Schilderung seiner Heimat und seines eigenen Lebens gegeben und Jtzig ihm dagegen erzählte, wie das Glück ihn aus jede Wtise begünstigt hatte, fragte Daniel Markus ohne einen Hintergedanken: „Har Dir denn die Peitsche, die ich Dir beim Abschiede gegeben, wirklich Glück gebracht, wie Du damals meintest?" — Daniel Jtzig hatte längst die Peitsche und sein daran verknüpftes Versprechen vergessen. Jetzt aber fiel es wie ein Blitz in seine Seele, und erschrocken erhob er sich, indem er vorgab, ein wichtiges Geschäft vergessen zu haben. Er ließ anspannen und fuhr zum damaligen Rabbiner von Berlin, Reb Hirsche!. Diesem erzählte er unumwunden das Ge übde, das er bei der Uebergabe der Peitsche dem Freunde gegeben. Rabbi Hirschel machte ein sehr ernstes Gesicht und sprach: „Mein verehrter Herr Jtzig, ein Handschlag ist ein Handschlag, ein Weder kann ich Ihnen mattir sein, wenn es Ihre eigene Person betrifft, nicht aber wenn es zugunsten eines dritten geschehen, ohne dessen Einwilligung. Ich rate also, bieten Sie Ihrem Freunde eine große Summe unter der Bedingung, daß er Sie Ihres Versprechens entbinde." Jtzig fuhr nach der Villa zurück und sprach zu Markus: „Du hast mir von der Peitsche gesprochen, ohne mich an mein Versprechen zu erinnern. Das war edel von Dir. Wir wollen uns einigen, indem wir die Sache herumdrehen. Ich gebe Dir 10000 Taler, und Tu entbindest wich förmlich me'nes Gelübdes, und außerdem verspreche ich Dir, für alle Deine Kinder sorgen zu wollen". Markus war wie vom Donner gerührt. Einen solchen Reichtum einst zu besitzen, war ihm niemals im Traume eingefallen. „Du bist ein gottessürchtiger, treuer Mann! Das damalige Gelübde war eitel und leichtsinnig; nur Dein Edelmut Zwingt Dich, mir eine so große Summe zu gewähren. Alles,

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