Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Eine Berliner jüdische Familie aus dem 18. Jahrhundert
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 282 (sequence 4)
- Language
- German
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282 Im deutschen Reich Daniel Markus lachte Tränen über den Optimismus seines Kameraden. »Hier nimm die Peitsche, trotzdem Du wohl kaum im Leben eine so ungeheure Summe verdienen wirst." Ein Vierteljahrhundert war verflossen. In derselben Stadt und in derselben Schenke saß am Abend Daniel Markus, der als Makler den Markt besucht hatte. Er war vor 25 Jahren ein armer Pferdejunge, als Mann ein armer Makler. Anstatt für Mutter und Schwester, hatte er nunmehr für Frau und Kinder zu sorgen, und schwer lastete die Bürde des Lebens auf ihm. Da zog ein heftiger Streit zwischen zwei Anwesenden seine Aufmerksamkeit auf sich, die sich über eine eingehandelte Peitsche nicht einigen konnten. Nichts natürlicher, als daß Daniel Markus sich hierbei der Szene erinnerte, welche vor einem Vierteljahr- Hundert an derselben Stelle gespielt hatte. Nachdem eine Einigung Zwischen den streitenden Parteien zustande gekommen, erzählte er sein Erlebnis und sein früheres Verhältnis zu Daniel Jtzig und erfuhr zu seinem Staunen, daß sein ehemaliger Kompagnon einer der angesehensten Männer Berlins, ja des Königreichs Preußen geworden. Einer der Anwesenden erbot sich sofort, ihm eine genügende Summe zu borgen, damit er nach Berlin reisen könne, ein Anerbieten, das der arme Mann nicht ausschlagen konnte.- In seinem Komptoir, welches sich in dem eigenen Hause »Unter den Linden" befand, saß Daniel Jtzig, Vorsteher der preußischen Judenschaft, Hofbankier des Königs, der damalige Rothschild der Juden. Ein Diener meldete einen armen Juden, der ihn durchaus sprechen wollte. Jtzig beauftragte den Diener, dem Armen eine Gabe zu verabfolgen, aber der arme Jude war schon eingetreten und rief: »Kennt Daniel Jtzig seinen ehemaligen Kameraden Daniel Markus nicht mehr?!" Daniel Jtzig sprang auf und umarmte unter Tränen der Rührung seinen ehemaligen Freund. »Tu bist Daniel Markus, der treueste Freund meiner Jugend. Wie geht es Dir? Doch ich sehe es. Du bist nicht gut gefahren auf Deinem Lebenswege. Nun, es soll besser werden, aber warum hast Du Dich nicht schon lange an mich gewendet?" — »Wußte ich denn, wo und wer Du bist?" antwortete Markus. Erst in diesen Tagen erfuhr ich, wie gut es Dir geht, und da zögerte ich keinen Augenblick, meine Zuflucht